Grün-As
Leipzig Grün-As Stadtteilmagazin

Editorial

Liebe Leserinnen und Leser, ich verrate Ihnen kein Geheimnis, wenn ich behaupte, dass die S1 wieder zum gewohnten Bild in Grünau gehört. Persönlich erkenne ich es daran, dass sich keine Trauben mehr auf der Brücke zum Allee-Center bilden, wenn dort eine S-Bahn naht. In den letzten Dezembertagen sah dies freilich ganz anders aus: Neugierige, staunende Blicke, volle Bahnsteige und ein alles beherrschendes Gesprächsthema: Sie ist zurück - wer hätte das vor drei Jahren für möglich gehalten.

An dieser Stelle möchte ich nicht verhehlen, dass ich mich den Grünauern und ihren Befürchtungen gegenüber zwar stets solidarisch gezeigt, die Linie aber nüchtern betrachtet als kein unbedingtes infrastrukturelles Muss für den Stadtteil erachtet habe. Klar hätte der ungenutzte S-Bahn-Graben quer durch den Kiez nicht eben schön ausgesehen und einer wie auch immer gearteten Umnutzung - beispielsweise als Grünzug - bedurft.

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Eröffnung der S-Bahn am 14. Dezember 2013

Aber als überzeugte Individualverkehrsteilnehmerin glaubte ich, dass es diverse Straßenbahn- und Busverbindungen auch tun. Mit dieser Meinung stand ich sicher nicht alleine da, aber sie hat sich gewandelt. Denn all diejenigen, die sie noch immer vertreten, haben ganz sicher den 14. Dezember nicht erlebt. Spätestens an diesem Tage, wurde mir nämlich bewusst, wie sehr die Grünauer an ihrer S-Bahn hängen.

Das kündigte sich bereits bei unserer Sternfahrt-Freikartenverlosung an, als binnen Minuten unser Anrufbeantworter voll war und das Telefon noch immer nicht still stand. Die Veranstalter hätten gut und gerne zehn Züge besetzen können. Selbst sie zeigten sich vom überwältigenden Interesse überrascht. Wenn ich mich heute so umhöre, dann erzählen mir selbst eingefleischte Autofahrer, dass sie ihren Weg in die Stadt natürlich schon mit der S1 zurückgelegt haben. So natürlich, wie sie zuvor behaupteten, diese nicht zu benötigen und darum auch nicht zu nutzen.

Zugegeben: Wirklich brauchen tun sie die Wenigsten. Aber es ist doch gut zu wissen, dass sie wieder da ist. Und das ist auch dem Engagement der Bürgerinitiative zum Erhalt der Linie 1 zu verdanken. Inwieweit die von ihnen einst gesammelten Unterschriften und das ständige Nachbohren und Dranbleiben, tatsächlich ursächlich für die Wiederbelebung der Strecke waren, ist zwar spekulativ, aber geschadet haben diese Aktivitäten keinesfalls.

Mich zumindest haben sie davon überzeugt, dass Grünau im urbanen Kontext mit S-Bahn deutlich an Attraktivität gewinnt und darüber hinaus, einmal mehr gezeigt, wie leidenschaftlich die Grünauer für ihr Umfeld zu kämpfen gewillt sind. Das wiederum stimmt mich recht zuversichtlich für anstehende Prozesse, die nicht zuletzt auch durch Ihr Zutun beeinflusst und gelenkt werden können. In diesem Sinne wünsche ich dem Stadtteil für das angebrochene Jahr engagierte Streiter und Ihnen persönlich alles Gute.

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