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Leipzig Grün-As Stadtteilmagazin

Und die Kinder der Asylbewerber?

Abschiebung trotz Integration – Daco und Stefan reißen Lücke bei United FC

Sonntag ist endgültig: Sie müssen das Land verlassen. Mittwoch werden sie »ausgeflogen«. »Abgeschoben«. Zurück nach Serbien.

Auch die Roma-Familie Ajdarevic. Drei Jahre haben sie in der Gemeinschaftsunterkunft Liliensteinstraße gelebt. Mitten unter uns. Doch die Aufenthaltserlaubnis wird nicht verlängert. Auch die Brüder Stefan und Damjan »Daco« müssen mit. Beide spielten seit September 2013 in der Mannschaft des United FC Leipzig, gehören zu den Gründungsmitgliedern.

Seit 21. Dezember war eine Protest-Petition online: »Keine Winterabschiebung in Sachsen: Asyl ist eine Frage der Menschlichkeit!« Britta Taddiken, Pfarrerin der Thomaskirche Leipzig und Dr. Andreas Knapp, Arbeiterpriester und Schriftsteller in Leipzig zeigen auf, was die Rückkehrer »zu Hause« erwartet: »... Menschen, die fliehen mussten, haben in ihrer Heimat alles verloren und müssen bei ihrer Rückkehr ... von Null beginnen. Es ist unmenschlich, Menschen bei Minustemperaturen einer derart schwierigen ... Situation auszusetzen. Wir fordern die Landesregierung von Sachsen auf, prinzipiell auf Winterabschiebungen zu verzichten, was rechtlich ohne weiteres möglich ist. (»humanitärer Grund« i.S.d. § 60a Abs. 1 AufenthG)«

Am 19. Januar war die Zeichnungsfrist beendet. 15.124 Unterschriften wurden übergeben. »... Die betroffenen Roma in Serbien leben zu über 60 Prozent in Slums, die kaum heizbar sind. Die Wohnbedingungen sind katastrophal, ... weder Wasser und Kanalisation noch Elektrizität. Abgeschobene Roma sind laut Berichten der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (2012) besonders häufig dort anzutreffen. Eine Winterabschiebung ... gefährdet das Leben der Kinder in einer bedrohlichen Weise.«

Die Fußballer Daco und Stefan sind minderjährig, haben kaum Einfluss auf die Dinge. Die Eltern der Brüder müssen in der Unterkunft eine langfristige Entscheidung abwarten. Drei Jahre leben sie von weniger als Hartz IV, haben keine Arbeitserlaubnis. Integration erfolgt da nicht wirklich. Daco und Stefan und all die anderen Kids sind während des Asyl-Aufenthaltes schulpflichtig. Müssen sich schnell zurechtfinden in einer fremden Welt, in der die Jungs durchaus nicht selbstverständlich willkommen sind. In die sie aber mit ihren Eltern gekommen sind, um neu anzufangen, es besser zu haben, es besser zu machen.

Als Vorsitzender des NETZwerk »blau-gelb« e. V. ebneten Philipp Bludovsky und sein Stellvertreter Peter Schön 2013 den Weg für United FC. Beide sind für die Jungs mehr als nur Teamcouches. Die engagierten jungen Männer sind für die Kicker aus so verschiedenen Ländern inzwischen Freunde, Ratgeber, Orientierungspunkt in einer fremden Welt, in der sie in den vergangenen drei Jahren zunehmend heimisch werden. »Die Jungs haben bei uns viel gelernt, auch für ihr Leben« versichert Peter Schön. »Sie dürfen jetzt nicht verzagen und müssen weiter kämpfen wie auf dem Fußballplatz«.

Dieses Engagement haben nicht nur Daco und Stefan der Mannschaft zurückgegeben. Teamchef Philipp Bludovsky ist stolz auf seine Jungs: »Stefan entwickelte sich zum zuverlässigen Außenverteidiger und Daco zu einem klassischen Sechser mit viel Torgefahr. Mit Daco und Stefan verliert der Fußballverein nicht nur zwei gut integrierte, aufgeweckte und leistungswillige junge Menschen, sondern auch eine wichtige Konstante im Team.«

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