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Leipzig Grün-As Stadtteilmagazin

Leipzig – deine Geschichten!?

Kulturbahnhof mit Kinder-Kunstprojekt zu Gast im KiJu

Mal wieder Aufruhr im Allee-Center. In der Rotunde – dort, wo es so schön hallt – ertönen animalische Geräusche. Es ist laut. Es ist wild. Nach ein paar Minuten kommt auch schon der Wachschutz.

Doch die, die da lärmen sind nicht etwa die üblichen Problemkids, die dem Centermanagement oft das Leben schwer machen. Es sind Kinder und Jugendliche aus dem nahen Freizeittreff KiJu. Und sie erkunden im Rahmen einer Projektwoche ihr Wohnumfeld mit Kamera und Aufnahmegerät – auf der Suche nach Leipziger Geschichten.

Initiiert hat die Aktion, die sich vor allem an jugendliches Klientel an den Großstadt-Rändern richtet, der Kulturbahnhof Markkleeberg. In der Woche vom 4. bis 8. Mai machte der Bahnhof mit drei Kunst- Studenten nun Station in Grünau.

Einer von ihnen ist Philipp Rödel. Der junge Mann, der vor kurzem sein Studium an der HGB beendet hat, ist begeistert von der Dynamik im Stadtteil: »Das ist schon echt spannend hier. Die Kids sind taff, haben Ideen, wollen sie sofort umsetzen, lassen sich auf das Projekt ein. Wir waren schon in vielen Klubs und Stadtteilen. Da ging es stellenweise sehr emotionslos zu.« Über fehlende Lebendigkeit können sich Philipp und seine beiden Mitstreiterinnen Lina Ruske und Cora Czarnecki (beide ebenfalls HGB-Studentinen) jedenfalls nicht beschweren.

Keine der drei jungen Leute ist pädagogisch geschult, trotzdem haben sie die kleine, lärmende Meute gut im Griff – reagieren geschickt, wenn der Umgangston allzu rau wird, kümmern sich um spontane schlechte-Laune-Attacken ihrer Interims-Künstler, schlichten Streitigkeiten, halten das Interesse am Gesamtprojekt auf erstaunlich lange Zeit wach. »Die Konzentration auf eine Sache, ist oft ein Problem«, erzählt Philipp und gibt damit auch gleich die Begründung, warum die Initiatoren absolut prozessoffen agieren: »Klar haben wir gewisse Vorstellungen, was wir am Ende einer solchen Woche erreichen möchten, aber wir können den Kids ja nicht einfach etwas überstülpen.«

Vielmehr wird gemeinsam gearbeitet, diskutiert, entwickelt, denn am Ende der Woche – das zumindest steht fest – sollen die Arbeiten der Mädchen und Jungen in einer Ausstellung in den Räumlichkeiten des KiJu präsentiert werden. Einen Tag vorher trifft sich der harte, kleine Kern der Projektgruppe und wertet das während der Rundgänge entstandene Material aus. Filmsequenzen, Audio-Dateien und vor allem jede Menge Fotos, gilt es zu sichten, zu schneiden, zu sortieren und zusammenzustellen.

Aus dem Allee-Center-Geräusch-Spektakel wird beispielsweise Klangkunst mit dem Titel »Bumm«. Porträtköpfe werden ausgeschnitten und um lustige Körper erweitert, Collagen und Bildserien gebastelt. Statt Leipziger Geschichten sind letztendlich Grünaus Kids in Bild, Ton, Text und auf Papier zu erleben. Gut so. Sie haben es sich verdient.

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