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Leipzig Grün-As Stadtteilmagazin

Mein Herz schlägt für Grünau

Lipdub-Musikvideo soll Image aufmöbeln

»Mein Herz schlägt hier in Grüüünaaauuu«, tönt es beim Schlussakkord des rund sechsminütigen Lipdub-Videos, welches am 18. Oktober im rappelvollen Kinosaal des Cineplex erstmals in seiner endgültigen Fassung präsentiert wurde.

Eine Liebeserklärung an den oft so gescholtenen Stadtteil, abzulesen von gut 300 Lippen. Kein Lippenbekenntnis. Denn die Protagonisten auf der Leinwand, die sich quirlig bunt und frohgelaunt im Takt des Songs mit Ohrwurmpotenzial vor der Kamera bewegen, sind eingefleischte Grünauer und Stadtteilakteure, die das Image ihres Viertels aufpolieren möchten. In dem sie zeigen, was es hier alles gibt und was so geht.

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Oliver Kobe

Als Initiator Oliver Kobe im vergangenen Jahr seine Idee der Koordinierungsgruppe »40 Jahre Grünau« präsentierte, erntete er nicht wenige fragende Blicke: Lipdub? Was'n das? Vereinfacht ausgedrückt, ist es ein Musikfilm, der ohne Schnitt in einer Kamerafahrt abgedreht wird und bei dem sehr viele Menschen ihre Lippen zum Playback bewegen. Was sich recht simpel anhört, bedurfte einer einjährigen, akribischen Vorbereitung.

Kobe, in Leipzigs Szene nicht zuletzt durch seine DJ-Tätigkeit durchaus bekannt, machte sich zunächst auf die Suche nach Musikern und wurde fündig: Gleich drei recht verschiedenartige Künstler hat der 38- Jährige aufgetan: Neo Kaliske, Susann Grossmann und Rapper Padshah. Letzterer ist Grünauer, Kaliske war mal einer und Grossmann hat ihre Kindheit immerhin auch in der Platte verbracht – in Bautzen. Alle drei geben dem Video mit einem maßgeschneiderten Text eine ganz individuelle Note.

Neben der musikalischen Komponente lebt der Film jedoch in erster Linie von seinen »Schauspielern«. Die zu engagieren, war echte Fußarbeit. Unentwegt war Oliver Kobe im Stadtteil unterwegs, um sein Projekt vorzustellen und die Abläufe zu besprechen. Schließlich – und das ist die Herausforderung eines Films ohne Schnitt – muss zum Drehtag alles sekundiös sitzen.

Als Drehort wurde die Alte Salzstraße auserkoren – eine 700 Meter lange Strecke zwischen der gleichnamigen Kneipe und dem Marktplatz Stuttgarter Allee. Eingeteilt auf sechs Streckenabschnitten zeigten Institutionen, Vereine, Schulen, Ensembles, Unternehmen und natürlich die Grünauer »auf Kommando«, was sonst meist hinter verschlossenen Türen geschieht.

Noch nie hat man den breiten Fußgängerweg, der sich quer durch Grünau zieht, an einem Samstagmittag derart lebendig erlebt. Fünf Stunden dauerte der Dreh. Neugierige, die sich das Ergebnis noch am selben Tag in der Völle anschauen wollten, mussten gar noch mehr Geduld aufbringen. Doch die langen Drehpausen waren keineswegs vertane Zeit.

Sie wurden unter anderem mit interessanten Kennenlerngesprächen überbrückt. Denn nicht selten interagierten beim Dreh Leute miteinander, die zwar alle im gleichen Stadtteil beheimatet sind, sonst aber überhaupt keine Berührungspunkte haben dürften.

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Kamera

So schlendert denn auch Pfarrer Möbius predigend durch ein Spalier von Hockeyschlägern, hüpft ein Ein-Rad-Fahrer vor der Bauchtanzgruppe herum und dergleichen skurrile Momente gibt es noch mehr.

Zur Filmpremiere gab es das Video auf DVD und war sofort vergriffen. Eine Neuauflage ist im KOMM-Haus erhältlich. Seit 25. Oktober ist der Clip nun online gestellt und wird hoffentlich von Vielen gesehen und weiterverbreitet.

Er trägt eine Botschaft: Das Leben im Stadtteil kann sehr vielfältig und wunderschön sein. An einem sonnendurchfluteten Spätsommertag inmitten von vielen fröhlichen Menschen schlägt das Herz auf jeden Fall für Grünau.

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