Grün-As

Ruf doch mal an!

Kein Anschluß unter 4219896

Im Januar beantragte die Telekom Deutschland GmbH den Rückbau von 81 Telekommunikationsstellen im Stadtgebiet von Leipzig. In Grünau sollen von 28 noch verbliebenen Telekommunikationsstellen 13 rückgebaut werden. Die Karte zeigt: In den beiden Grünauer Siedlungen gab es schon lange keine Telekommunikationsstellen mehr, in Lausen wird es nach dem Rückbau keine mehr geben und die verbleibenden konzentrieren sich im WK 7, WK 8 und entlang der Stuttgarter Allee. Die Stadt Leipzig stimmt zu, die Ratsversammlung wird um Kenntnisnahme gebeten...

Telekommunikationsstelle? Wie Sie sicher bereits vermutet haben, handelt es sich um die gute alte Telefonzelle. Da denkt man an ein kleines Häuschen in postgelb (aus Zeiten der Deutschen Bundespost) oder in grau-weiß-magenta (der Telekom). Viele Telefonhäuschen sind inzwischen einer Telefonhaube gewichen. Nicht weil die Leute mit der langen Leitung ihre Kunden im Regen stehen lassen wollen, sondern weil auch Rollstuhlfahrer unter einer Telefonhaube telefonieren können. Teilweise waren aber auch Kostengründe verantwortlich, wenn ein klassisches Münztelefon im Telefonhäuschen durch ein Basistelefon mit Kartenfunktion unter einer kleinen Regenhaube ersetzt wurde. Vandalismusschäden und Stromkosten - Strom braucht man für den Münzzähler - machen eine Telefonzelle erst teuer.

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Kein Anschluß unter 4219896. Diese Telefonzelle in der Gärtnerstraße soll abgerissen werden.

Neben dem klassischen Münzfernsprecher gibt es auch ein Basistelefon, bei dem man nur mit Karten bezahlen kann. Die »TeleStation« erlaubt sowohl Geldeinwurf, als auch verschiedene Karten und ermöglicht SMS-Versand. Sogar eine »MultimediaStation« hat die Telekom entwickelt. Telefonieren kann man in der High-Tec-Zelle auch mit Bild oder ganz normal klassisch, außerdem E-Mail versenden und im Web surfen. Viele Telefonzellen kann man auch anrufen. Eine Multimedia-Station soll in der Nikolay-Rumjanzew-Straße stehen (wir haben sie leider nicht gefunden), ansonsten gibt es in Grünau meist die gute alte Telefonzelle im postgelb der Deutschen Bundespost.

Telefonzellen-Benutzer kann man grob in drei Gruppen teilen: Als erstes - hierzu zählen viele Senioren - Menschen, bei denen sich ein Telefon nicht lohnt, die deshalb keines besitzen und ihre wenigen Gespräche über den nächsten Münzfernsprecher erledigen. Als zweites Menschen, welche aus bestimmten Gründen anonym telefonieren wollen - da wird dann meist die Polizei, das Jugendamt oder der Tierschutz angerufen. Und zuletzt erstaunlicherweise die Handy- Vieltelefonierer, die wegen Akku-Notstand, Netz- oder Handy-Verlust die öffentlichen Telefone als Notbehelf verwenden.

Die Telekom ist übrigens gesetzlich verpflichtet, öffentliche Fernsprecheinrichtungen mit einem flächendeckenden Angebot an Telefonhäuschen vorzuhalten. Eine detaillierte gesetzliche Regelung gibt es allerdings nicht und um so etwas zu vermeiden, werden Telefonzellen auch nur mit Einverständnis der jeweiligen Gemeinde abgebaut. In Leipzig ist der stadtweite Abbau der Telefonzellen bislang - trotz Wahlkampf - kein Thema. Nicht einmal die Piratenpartei, die ja vehement für einen anonymen Zugang zum Internet eintritt, ist für einen anonymen flächendeckenden Zugang zum Telefonnetz.

Übrigens ist es immer eine gute Idee zu wissen, wo sich das nächste öffentliche Telefon befindet. Stundenlanger Netzausfall bei Mobilfunkbetreibern ist selten, aber auch die allgegenwärtigen Handys können mal schnell ausfallen. In Notfällen kann der Wissensvorsprung Menschenleben retten. Übrigens: Notrufe sind kostenlos und ansonsten kann man für eine Einheit - 10 Cent - in einer Telefonzelle 27 Sekunden nach Leipzig telefonieren oder 18 Sekunden nach Deutschland. Ruf doch mal an!

Lutz Rodenhauser
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