Grün-As

Tag des offenen Ateliers - der Grünauer Maler Joachim Zetzsche

Intensive Lichtstimmungen entstehen mitten in der Grünauer »Platte«

Markant streift er durch Grünau. Fällt auf mit seinem üppigen Bart. Dem weißen Haar. Zum Tag des offenen Ateliers am 14. Oktober nutzten interessierte Besucher die Gelegenheit, den Maler hinter seiner äußeren Fassade zu entdecken. Einblick in seine Arbeit zu gewinnen. Den Menschen kennenzulernen. Als sie das Atelier betreten, versenken sie sich in eine ganz eigene Welt.

Überbordend die Fülle von eigenen Bildern und gesammelten Arbeiten. Überall Farbe. Hunderte Tuben, Pinsel, Lappen, Farbpalletten. Ebenso viele CDs, Bücher, Korrespondenz. Verhüllen die Wände. Lassen den Alltag draußen. Schaffen Atmosphäre. Mittelpunkt des Raumes - die Staffelei. Unter starkem Licht. Hier ist sein Platz zum Arbeiten. Ist er geerdet. Bewahrt. Er ist der WBG Kontakt durchaus dankbar, die seit Jahren fördernd hinter ihm steht. Den Autodidakten auch in seinen Anfängen gewähren ließen. Seinen Weg zu finden. Zu erstarken. Erfolgreich in seinem Ringen, trotz / mit / von seiner Kunst zu leben.

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Tag des offenen Ateliers: der Grünauer Maler Joachim Zetzsche

Sah er sich anfangs als Schüler von Eberhard Löbel, Gert Pötschig. Spürte ihren Techniken, ihrem Stil, ihren Kompositionen nach. Sah sich durch sie inspiriert. So hat er inzwischen eine eigene Handschrift entwickelt. Kraftvoll. Intensiv. Von solidem handwerklichem Können getragen. Kann sich den Bestaunten von einst heute selbst als gleichwertig an die Seite stellen.

Landschaften inspirieren ihn. Natur. Licht. Stimmungen. In Öl und Aquarell versucht Joachim Zetzsche sie einzufangen. Fertigt farbige und grafische Monotypien. Arbeitet mit Feder, Tusche, Kreide, Pinsel und Bleistift. Besessen. Nächte durch. Bis all das Gesehene, die Bilder aus ihm herausgebrannt sind. Ein hohes persönliches Glück, dass ihn seine Lebensgefährtin dann auffängt. Ihn aushält. Sich ihm stellt und ihm zur Seite steht.

Dann braucht es neues Leben. Vitale Eindrücke. Persönliches Sehen. Die umliegenden Landschaften haben es ihm angetan - die Sächsische Schweiz, der Harz, die Seenlandschaft um Leipzig. Und - wenn es der Geldbeutel erlaubt - Kroatien, die Berge von Trogir. Weiße Kalkfelsen. Grüne Schluchten. Meeresbuchten. Das Trentino. Die Dolomiten. Dort fühlt er sich erlöst. Erhoben. Den Vorbildern so ganz nah - Monet, van Gogh, dem russischen Peredwishniki. Saugt ihren Geist, ihre Besessenheit in sich auf. Bewahrt die Lichter, die Farben, den kleinsten Tropfen, den größten Fels tief in sich.

Für seine eigene, ganz persönliche Arbeit in Grünau. Zu Hause. Wo ihn der Alltag umfängt. Wo sich anfangs ganz ernsthaft die Frage nach der nächsten teuren Leinwand, der nächsten CD und auch schon mal nach der nächsten warmen Mahlzeit stellte. Erfolg kommt nicht von ungefähr. Leben in diesem selbst gewählten Beruf ist nicht selbstverständlich. Auch, wenn er diesen zähen Anfang nun hinter sich gelassen hat, trägt er ihn in sich. Immer wieder heißt es, sich bekannt machen. Sponsoren gewinnen. Ausstellungen organisieren. Bilder gut verkaufen. Da sind viele Briefe nötig. Kontakte zu pflegen. Eine Homepage. Mails.

Seine Werke zeigte er unter anderem 1992 in der Kunstkolonie Ost, 1996 im Treffhotel, 1996 in der Dresdner Bank, 1999 im Klinikum St. Georg ... zuletzt im Landtag Dresden. 2010 hat er sich an einer Ausstellung in der Pariser Galerie Thillier beteiligt. Er hat gute Reverenzen für seine Ausstellung im Schlosspark von Thurn und Taxis 2010 bekommen, und er besitzt ein Dankschreiben von Prinz Charles für ein eingesandtes Aquarell.

Nun ist auch der MDR interessiert. Am 1. Februar 2013 wird Joachim Zetzsches Ausstellung in der Altenburger Straße eröffnet. Was den sehr geerdeten, bodenständigen Maler wieder zu seinen Wurzeln führt. Zwar dürfen wir noch zwei Grafiken erwerben. Aber dann behält der Künstler sich vor, sein offenes Atelier zu schließen. Sprichts und wird plötzlich ganz spröde. Hat die CD schon in der Hand, die ihn musikalisch hineintragen wird in den Bilderschatz seiner Erinnerungen. Er habe nun zu arbeiten ...

Silke Heinig
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