Grün-As
Leipzig Grün-As Stadtteilmagazin

Anfang und Ende mit glücklichem Holz

Eröffnung Kultursommer 2018

Am ist es endlich so weit: Der Kultursommer 2018 wird feierlich eröffnet. Der Startschuss für drei pickepackevolle Monatemit viel Kunst und Kultur fällt in diesem Jahr in der Turnhalle des Montessori-Schulzentrums in der Alten Salzstraße. Gleichsam ist die Veranstaltung aber auch ein Abschluss. Nämlich der des Stadtteilprojektes »Impuls Grünau«, welches das Gewandhaus in den zurückliegenden Monaten mit hiesigen Vereinen und Institutionen durchführte. Das Ergebnis ist ein rund einstündiges Erlebniskonzert mit eigenwilligem Thema: »Wie man Holz glücklichmachen kann«.

Die Spannung unter den zahlreichen Besuchern ist groß – vor allem unter den Montessori-Schülern, wie Rektor Sebastian Heiderverrät. Gibt es doch in der Einrichtung eine Lehrerin mit Namen »Holz«. Ob sie an diesem Nachmittag glücklich ist, bleibt offen. Wohl aber sind es ganz sicher viele der Mitwirkenden und Zuschauer. Letztere dürften bereits beim Anblick des Bühnenbildes gestutzt haben. Holzstapel, Sägeblock und Äste sind doch eher ungewöhnliche Requisiten, wenn das Gewandhaus zu Gast ist. Und es geht ungewöhnlich weiter: Clowneskwirkende Waldarbeiter, die mit Motorsäge und Beil hantieren und zwischendurch herzhaft in ihre Pausenstullen beißen, während der erste halbwegs an Musik erinnernde Ton einige Zeit auf sich warten lässt.

Die Geschichte des Stückes erschließt sich nach und nach. Sie handelt von eben jenen Forstarbeitern, die während ihrer Pause zufällig über den Klang von Holz stolpern. Aus Langeweile, Jux und Tollerei beginnen sie, den überall herumliegenden Holzresten zuerst nur vereinzelte Töne, später auch Rhythmen und Melodien zu entlocken. Immer größer und aufwendiger werden die Instrumente angefangen bei der Blockflöte, über Fagott, Violine, auch eine Nagelgeige ist vertreten. Am Ende stehtein riesiges Xylophon auf der Bühne. Zwischendurch präsentierendie Gewandhausmusiker Manfred Ludwig, Eckehard Kupke, Henry Schneider und Wolfram Holl ihr Können, spielen bekannte klassische Stücke, rocken aber auch mit »Queen« die Turnhalle.

Schlussendlich erklingen in Uraufführung die sehr modernen (mancher würde vielleicht auch schräg sagen) Werke »Sommer I und II« – komponiert von Kids des Grünauer Kinder- und Jugendtreffs KiJu und Montessori-Schülern. Die Kompositionswerkstatt »Meet an Make« war ein Baustein des »Impuls Grünau«-Projektes, welches über mehrere Monate im Stadtteil Station gemacht hatte. Jugendliche konnten sich dabei unter Leitung des Komponisten Aristides Strongylis im Umgang mit Instrumenten ausprobieren und eigene Stücke kreieren. Wie Instrumente überhaupt entstehen, wie man sie vielleicht auch selbst bauen kann, erfuhren die Schüler der 78. Grundschule an zwei Projekttagen. Auch dies ein Teil der mobilen Gewandhaus-Idee. Unter Anleitung von Instrumentenbauer Stefan Roszak ließen die Grundschüler beeindruckend Konstruktionen aus Holz und Metall entstehen, mit denen nicht nur die Gäste der Kultursommereröffnung begrüßt werden. Sie und ihre Erfinder kommen auch beim Erlebniskonzert zum Einsatz und dürfen die Profi-Kollegen für einen kurzen Moment musikalisch begleiten.

Auch die Sängerinnen und Sänger des ökumenischen Kinder- und Kammerchores der Grünauer Kirchgemeinden Paulus und St. Martin kommen zu ihrem Auftritt. Damit haben die Veranstalter einen Stadtteilprotagonisten einbezogen, der über viele Jahre traditionell den Kultursommer mit einem Musical in der Pauluskirche einläutete. Unter der Leitung von Kantorin Elke Bestehorn in Zusammenarbeit mit dem Gewandhaus-Kinderchorleiter Frank-Steffen Elstner hatte der Chor das Stück »Voissurton chemin« erarbeitet. Als es dann im Rücken der Konzert-Besucher erklingt und damit den magischen Moment symbolisiert, in dem die Natur nicht mehr nur klingt, sondern eine Stimme erhält, ist dies unbestreitbar der Höhepunkt des späten Nachmittags. Denn – und das ist der Wermutstropfen der diesjährigen Veranstaltung – ein gemütliches Beisammensein unter Kulturschaffenden, Grünauern und anderen Gästen gibt es nicht. So zerstreut sich an einem herrlichen Frühsommertag nach origineller musikalischer Einstimmung ein Häufchen von Menschen, die in dieser Konstellation wohl so schnell nicht wieder zusammenkommen dürften. Schade.

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