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Leipzig Grün-As Stadtteilmagazin

Dichtkunst, Humor und das sächsische Lebensgefühl

Der Grünauer Mundartist Klaus Petermann

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Herr Petermann, 1964 »wurden Sie nach Leipzig umgezogen«. Als Dreijähriger hat man ja kaum die Wahl. Jahre später, erst recht als inzwischen diplomierter Germanist, hat man sie schon. Warum ausgerechnet die sächsische Mundart?
Klaus Petermann
Naja, Sächsisch wurde und wird in Leipzig und in Sachsen schon immer gesprochen. Mit den Texten von Lene Voigt kam aber plötzlich ein »gedichtetes« Sächsisch auf mich zu. Lene Voigt verstand es in einzigartiger Weise, Dichtkunst, sächsischen Humor und das sächsische Lebensgefühl zu vereinen. Mein Anliegen ist es, Lene Voigt als wichtige und zeitgemäße deutsche Dichterin zu präsentieren, ganz ohne Verkleidung und anderen Firlefanz.
Bild
Klaus Petermann. Foto: Marcus Jakobi
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Lene Voigt, Manfred Uhlig, Gunter Böhnke, Tom Pauls und viele andere allein in Leipzig entdeckten ihre Liebe zur Heimat ebenfalls über die Sprache. Warum kochen Sie dennoch Ihr eigenes »Gaggaudebbch'n«?
Klaus Petermann
Ob Gaggau oder Gaffee - wir kochen alle nur mit Wasser. Für mich ist Dialekt, also auch der sächsische, ein Ausdruck von Identität mit der Heimat. Dialekt ist Kulturgut und kann auch ein Lebensgefühl zum Ausdruck bringen. Oft gibt es Wörter und Redewendungen, die es so im Hochdeutschen nicht gibt, und so trägt Dialekt auch immer zur Bereicherung unser Sprache bei. Gern stelle ich Lenes Dichtkunst »unplugged« in den Vordergrund und so »erhört« das Publikum sinnenfroh und empathisch den feinen Sinn von Lene Voigt für Humor und Alltagssituationen.
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Stehen bei den Wettbewerbs-Trainingseinheiten des schulischen Nachwuchses deren Deutschlehrern die Haare zu Berge?
Klaus Petermann
Da bin ich mir nicht sicher. Viele Lehrer nutzen gerade die Klassiker von Lene Voigt, um den Schülern einen humorvollen neuen und anderen Weg zur deutschen Klassik zu zeigen, ein Weg, der auch von der Lene-Voigt-Gesellschaft e.V. gegangen wird. Hier sei an das jährliche »Gaggaudebbchen« erinnert, unseren Vortragswettbewerb für Schüler. Noch in diesem Jahr wird die Lene-Voigt- Gesellschaft zusammen mit der Connewitzer Verlagsbuchhandlung ein Lene-Voigt-Buch für Schüler herausbringen und damit Lehrer und Schüler weiter für das Sächsische interessieren.
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Sie sind als Mundartist mit Ihren Lene-Voigt-Programmen landauf, landab unterwegs. Gibt es auch lebendige mundartliche Neuentwicklungen, Wortschöpfungen, Trends, die Sie beobachten?
Klaus Petermann
Wo Mundart gesprochen wird, ändern sich auch Wörter und Redewendungen. Meist sind es »versächselte« Wörter, also hochdeutsche Wörter, die dann sächsisch klingen. Oder es entstehen Begriffe, die einfach wunderbar sind, wie zum Beispiel »Norweschendier«, das Norwegentier, also der Elch. In meinen Veranstaltungen stelle ich immer wieder fest, dass sich die Gäste gern an die sächsischen Wörter erinnern, die schon fast vergessen sind - didschen, Grämbel, gägch, Horns'che und so viele andere.
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Sie wohnen mitten in Grünau, man kann Sie glattweg zur nächsten Familienfeier buchen. Wie wär's mit einem kurzen »Anschmecker« zum Abschluss?
Klaus Petermann
Ja das kann man, ob Familienfeier, Firmenevent oder auch in den Gartenverein oder zum Seniorennachmittag. Es gibt immer viel zu berichten von uns Sachsen und über uns Sachsen. Ob alt, ob jung, ich übe immer mit meinen Gästen das Wort »Modschegiebchen« und wenn es dann klappt, gibt es die schöne Eselsbrücke aus der Kindheit. »Saache ma Modschegiebchen.« Er sagt es, und alle anderen rufen: »Deine Hosen quietschen!«
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