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Leipzig Grün-As Stadtteilmagazin

Es funktioniert von Anfang an

20 Jahre Club der Nachdenklichen

Seit 20 Jahren trifft sich der Club der Nachdenklichen im Stadtteilladen in der Stuttgarter Allee, einmal im Monat diskutiert die lose Gruppe selbst gewählte Themen.

»Was versteht man unter gut und böse?«, »Was ist Glück?« und »Wieviel Freiheit verträgt der Mensch?« waren bereits Nachmittage überschrieben, aber auch »Globale Erwärmung und es wird immer kälter. Stirbt das Gefühlsleben in der modernen Gesellschaft?« oder »Ist unser eigenes Ich der letzte und höchste Sinn unseres Daseins?«.

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Christel Lehmann und Bernd Knüfer im angeregten Gespräch.

Der letztgenannte Titel stand über der ersten Zusammenkunft am 16. September 1998. Christel Lehmann und Bernd Knüfer haben den Start miterlebt, sie sind von Anfang an dabei. Christel Lehmanns verstorbener Mann Karlheinz Lehmann, Lehrer an der Pharmazieschule in der Schönauer Straße, und der Jesuit Bernd Knüfer, ehemals Studentenpfarrer, sind die Initiatoren die Reihe.

»Wir haben uns relativ schnell verstanden«, schaut Bernd Knüfer zurück, »er als gestandener Religionsloser und ich als katholischer Geistlicher.« Beide waren sich bei der Erstausgabe von »Klang, Stille, Raum« in der Schönauer Kirche über den Weg gelaufen, unter Vermittlung von Dr. Sylvia Börner aus der Volkshochschule und beide zeigten großes Interesse an ernsthaften Gesprächen und Tiefgründigkeit.

»Der Club funktioniert von Beginn an«, freut sich Bernd Knüfer. Als strenger Moderator legt er Wert darauf, dass die sechs- bis 15-köpfige Runde bei der Sache bleibt und niemand zu lange und zu weit abschweift. Christel Lehmann erklärt: »Es geht nicht darum, recht zu haben oder zu behalten, sondern um verschiedene Sichtweisen und Meinungen, um den Austausch.« Erfordere es das jeweils per Abstimmung festgelegte Thema, werden Kenner der zu behandelnden Materie als Referenten hinzugezogen.

Im Laufe der Zeit entwickelten die Nachdenklichen eine »gewisse lokalpatriotische Aktivität«, nahmen Kontakt zur Stadtverwaltung und dem Quartiersrat auf. Und – darauf sind sie stolz – sie regten die Querverbindungsbuslinie Grünolino an. Aktuell beschäftigen sie sich mit dem Erhalt der Umwelt und Alternativen zum Wachstumszwang der Wirtschaft. Termin ist immer der zweite Mittwoch im Monat, 16 Uhr. Wer möchte, kommt einfach im Stadtteilladen vorbei.

Schon Clubmitbegründer Karlheinz Lehmann setzte sich mit allem Möglichen auseinander, autodidaktisch, Bücher lesend und neugierig. Er sei »ein außergewöhnlicher Mensch« gewesen, sagt seine Frau. Einer, der nebenbei auch noch Gedichte geschrieben und Bilder gemalt hat. »Mein Knoten im großen Netzwerk dieser Welt«, so formulierte er einst, »besteht materiell aus meinem Körper mit seinen Fähigkeiten. Die Verknüpfungen entstehen überwiegend durch Informationen, die ich aufnehme, bewahre und weitergebe.«

Zum Jubiläum, das der Club am 26. Oktober gemeinsam mit der Volkshochschule im KOMM-Haus begeht, wird besonderer Besuch erwartet – vom Club der Nachdenklichen aus Amberg in der Oberpfalz. Christel Lehmann und Bernd Knüfer freuen sich drauf. Ganz sicher freuen sie sich auch gut zwei Wochen zuvor auf eine neue Veranstaltungsreihe. Der Treff der Neugierigen findet am 9. Oktober, einen Tag vorm nächsten Club der Nachdenklichen, im Seniorenbüro West statt.

Der eine Termin also in der Stuttgarter Allee 18, der andere in Nummer 19 – allein räumlich kommt da bereits Nähe auf. Und auch sonst dürften Neugierige und Nachdenkliche viele Gemeinsamkeiten haben, sich gegebenenfalls ergänzen und gut miteinander auskommen.

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