Grün-As
Leipzig Grün-As Stadtteilmagazin

Manchmal braucht es einen Engel

KuSo klingt mit bewegendem Musiktheaterprojekt aus

Mit einem Blick über'n Tellerrand ging am 16. September der diesjährige Kultursommer zu Ende. Die Pauluskirche, in der er schon so oft eingeläutet wurde, war bis auf den letzten Platz gefüllt. Die Aufführungen des Ökumenischen Kinder- und Kammerchores der beiden Grünauer Gemeinden Paulus und St. Martin sind auch bei Nicht-Kirchgängern äußerst beliebt, haben sie doch im modernen Gotteshaus mit idyllischem Garten stets einen ganz besonderen Charme.

Und das obwohl die Themen meist unbequem, ja beinah provozierend aktuell sind. Rassismus, Antisemitismus oder allgemeine Intoleranz bildeten in der Vergangenheit bereits den Stoff für eindrucksvolle Stücke. Dieses Mal widmete sich das Mehrgenerationenprojekt unter Leitung der Kantorin Elke Bestehorn der Globalisierung mit all ihren negativen Begleiterscheinungen vor allem für die Kinder dieser Welt. Wer, wenn nicht Kinder selbst, sind sensibel für die Wünsche und Bedürfnisse ihrer Altersgenossen, fühlen Ungerechtigkeiten direkter und bewahren den Glauben daran, dass sich diese ausräumen lassen.

Manchmal bedarf es jedoch erst eines kleinen Schubsers, um die Lebenswirklichkeiten anderer wahrzunehmen. Oder eines Engels namens Thea. Ein Engel, der nebenbei bemerkt wundervoll und Gänsehaut erzeugend singen kann und verwöhnte Kinder der westlichen Hemisphäre mitten im Vorweihnachtstrubel in einen fliegenden Koffer setzt, um mit ihnen in einer Nacht an weit entfernte Orte zu reisen. Auf den Subkontinent beispielsweise.

Dort entdecken die kleinen Näherinnen und Näher, dass ihre unverhofften Gäste von ihnen hergestellte T-Shirts tragen. Die Frage, warum sie denn ar beiten würden, verblüfft die Inder mindestens genauso, wie ihr Gegenüber deren Antwort: Um etwas zu Essen zu haben. Weiter geht es auf eine afrikanische Obstplantage, in eine bolivianische Silbermine und auf riesige Blumenfelder der Philippinen. Überall begegnet den Reisenden Kinderarbeit, Armut, Umweltverschmutzung, in ihnen reift die Erkenntnis, dass sie selbst nicht unschuldig am Elend anderer sind.

Warum nicht ein paar Euro mehr für Nahrung, Kleidung oder Schmuck ausgeben, warum nicht Blumen aus einheimischen Gärten auf den Tisch stellen, warum nicht mit weniger zufrieden sein und das einfache Glück genießen?! Und dann durchqueren sie auf ihrer Heimreise auch noch das fiktive Kriegsland und begegnen den wohl schlimmsten Auswirkungen von Profitgier und Machthunger. Ein Stück mit originellen, eindringlichen Texten und Ohrwurmpotenzial-Melodien, das unter die Haut ging und ohne Holzhammer zum Nachdenken anregte. Manchmal braucht es eben einen Engel...

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