Grün-As
Leipzig Grün-As Stadtteilmagazin

Editorial

Liebe Leserinnen und Leser - die Bundestagswahl 2017 ist Geschichte. Sie kennen die Ergebnisse seit nunmehr mindestens einer Woche. Ich im Moment, da ich dies schreibe, erst seit wenigen Stunden. Das starke Abschneiden der AfD, die mit knapp 13 Prozent als drittstärkste Kraft ins neue Parlament katapultiert wurde, hat viele entsetzt. Manche sogar verwundert. Ganz ehrlich?

Mich nicht! Einmal abgesehen davon, dass Wahlforscher genau diese Zahl zuletzt für wahrscheinlich hielten, musste man schon sehr blind und taub sein, um die Stimmung im Land nicht wahrzunehmen. Selbst in unserer besonderen Leipzig-Blase konnte man das Gären inner- und außerhalb der Stadtgrenzen beim besten Willen nicht ignorieren.

Ein bisschen zum Fremdschämen ist es dennoch, dass Sachsen in der Wahlauswertung auf der Deutschlandkarte blau heraussticht. Als das Bundesland, in dem die zuweilen offen rechtspopulistische Partei, welche im Laufe der jüngeren Vergangenheit mit zum Teil unsäglichen Äußerungen auftrat, die besten Ergebnisse einfuhr, mit durchschnittlich 27 Prozent stärkste Kraft wurde und sogar zwei Direktmandate erkämpfte. Auch Leipzig holte sich sprichwörtlich ein paar blaue Flecke. Neben Mockau-Süd, Liebertwolkwitz und Paunsdorf hat die Partei vor allem in Grünau gepunktet.

Im Norden des Stadtteils und in Lausen-Grünau stehen jeweils satte 29 Prozent zu Buche. Auch wenn es in den übrigen Quartieren nicht ganz so hoch herging – bei den Zweitstimmen siegte die AfD in fünf von sechs Ortsteilen auf Grünauer Flur. (Die detaillierten Ergebnisse finden Sie auf Seite 17.) Die Erststimmen entfielen in vier Ortsteilen auf den AfD-Kandidaten Siegbert Droese. Zur Erinnerung: Jener Herr kam im Sommer 2016 mit einem Wahlkampfauto zum Schönauer Parkfest, dessen Kennzeichen den hinlänglich bekannten Nazi-Code für Adolf Hitler aufwies. Aber was interessieren schon solche Details, wenn man »denen da oben« mal so richtig einen Denkzettel verpassen möchte!?

Zugegeben: Ein bisschen kann ich den Frust der Grünauer ja sogar verstehen, fühlen sie sich doch zuweilen von der Kommune ein wenig stiefmütterlich behandelt – ob zurecht oder nicht, sei einmal dahingestellt. Fakt ist, dass der Stadtteil vor allem in jüngerer Vergangenheit an bestimmten Punkten mit argen Problemen zu kämpfen hat. Fakt ist auch, dass viele Grünauer mit der momentanen Situation in ihrem Umfeld unzufrieden sind, Angst um die Zukunft ihres Stadtteils haben. Ob ihre Wahl an dieser Lage etwas ändert?

Wohl eher nicht. Denn der Großteil dessen, was die Bewohner Grünaus vielleicht zur AfD trieb, wird nicht auf großer bundespolitischer Bühne, sondern allenfalls im Land und in der Kommune entschieden. Direkte Auswirkungen auf den Stadtteil hat das Wahlergebnis dennoch: So wird ein echter Grünauer Jung' fortan im Bundestag mitmischen. Sören Pellmann holte sich überraschend das Direktmandat und kann sich mit seinen Möglichkeiten für Grünau einsetzen. Des einen Freud'...

Der bisherige Abgeordnete für den Leipziger Süden, Dr. Thomas Feist, scheidet aus. Ob er damit auch sein Wahlkreisbüro in der Ludwigsburger Straße aufgibt, bleibt abzuwarten. Dritte involvierte Person – wenn auch nur im weitesten Sinne – ist Noch-AfD-Landtagsabgeordneter Uwe Wurlitzer, der im WK 8 sein Wahlkreisbüro betreibt. Im Strudel der Ereignisse um Frauke Petry legte er bereits sein Amt als Generalsekretär nieder. Ob er, wie seine »Chefin«, auch einen Parteiaustritt in Erwägung zieht, ist derzeit noch offen. Es bleibt also auch nach der Wahl spannend findet

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