Grün-As
Leipzig Grün-As Stadtteilmagazin

Wer rastet, der rostet!

– aber nicht bei Familie Hundt

Ostern steht vor der Tür und wir schreiben den kältesten März seit 25 Jahren. Bei frostigen Minusgraden draußen gewährt Familie Hundt bei Kuchen, Belegtem und Sekt in ihrer warmen Wohnküche im Frankenheimer Weg sehr ehrliche und private Einblicke.

Ingrid Hundt juckt es schon seit geraumer Zeit in den Fingern: Sie kann es kaum erwarten, endlich die 300 Stiefmütterchen im »Hundtschen Park« zu pflanzen. Mit sehnsüchtigem Blick auf das liebevoll gestaltete Areal außerhalb des Küchenfensters berichtet Frau Hundt von ihren Gestaltungsplänen für das Osterfest. Die unzähligen Plasteeier, die dem Park bereits jetzt ein sehr ansehnliches Ambiente verleihen, seien ja nur der Anfang.

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Familei Hundt

Etliche Osterhäschen werden in liebevoller Kleinstarbeit auf unterschiedliche Weise dekoriert und spätestens beim alljährlichen Besuch des örtlichen Kindergartens wird der Osterhase auch das ein oder andere Schokoladenei verstecken. Fritz Hundt, der passionierte Dokumentar, hält wie selbstverständlich entsprechende Fotos bereit. Diese sind aber nicht etwa in ein Fotoalbum geklebt, vielmehr darf man Selbige in Form großzügig gestalteter Plakate mit Beschriftung im Flur des Hauseinganges bewundern.

Etliche Besuchergruppen strömen über das Jahr herbei, besonders freut sich das Paar auf die alljährlich organisierten Treffen mit Gästen aus Holzhausen und Paunsdorf. Selbst Festlichkeiten werden in dem knapp einen Hektar großen Blumenareal organisiert. Fritz Hundt sieht das ganz pragmatisch: Er sei ja nun einmal vor Ort und Besteck und Geschirr habe er ohnehin genug. Bereits am Pfingstmontag findet die nächste Geburtstagsfeier statt.

Nach seinem bisherigen Highlight im Garten befragt, erzählt der 75-Jährige mit strahlenden Augen von dem »Projekt Sommerkino 2016«: Dabei wurde im Park ein DEFA-Film gezeigt, dessen Besichtigung 100 Gäste beiwohnten. Ingrid und Fritz Hundt haben höchstpersönlich für das Wohl der Besucher Sorge getragen, es sei ihnen eben ein Bedürfnis. In diesem Zusammenhang freut sich Ingrid Hundt ganz besonders über die Arbeit einer aufstrebenden Künstlerin, die sich der Herausforderung gestellt hat, den Wandel der vier Jahreszeiten im Park filmisch darzustellen. Das schreit förmlich nach »Sommerkino 2018« im ganz großen Stil.

Man mag es kaum glauben, aber all das geschieht ehrenamtlich, aus purer Nächstenliebe und der Freude am gemütlichen Miteinander. Man kann sich ganz und gar vorstellen, wie sich Nachbarn und Freunde an warmen Sommerabenden im Park versammeln, um sich auszutauschen, gemeinsam zu essen und zu trinken und schlichtweg die Natur zu genießen. Aber ohne Fleiß kein Preis! Dieses Motto haben sich Hundts wahrlich auf die Fahne geschrieben. Das Ehepaar verbringt bei Wind und Wetter mehrere Stunden täglich im Park, und das ganzjährlich: Es gilt schließlich zu organisieren und zu arrangieren.

Nun drängt sich die Frage auf, wie das alles zu bewerkstelligen ist. Sie werden staunen, liebe Leser, denn das ist noch nicht alles. Fritz Hundt fährt auf allen Strecken. Er interessiert sich sehr für die Geschichte Leipzigs vor und nach den Weltkriegen und veranschaulicht seine akribischen Recherchen auf Plakaten, die er auch ausstellt. Sein neustes Projekt ist dem Leipziger Leuschnerplatz gewidmet. Im Keller seiner ehemaligen Dienststätte, dem Leipziger Sportgymnasium, hat Hundt ein Sportmuseum aufgebaut, weiterhin bietet er mehrmals im Jahr kostenlose Führungen über den Südfriedhof an. Besonders faszinierend referiert er über sein letztes Projekt: Eine Ausstellung über Abschiedsbriefe Leipziger Antifaschisten im 2. Weltkrieg.

Seine Erkenntnisse gewinnt Fritz Hundt nicht etwa bei »Dr. Google«, sondern aus Büchern, Zeitzeugenberichten und dem Archiv der Universitätsbibliothek. Er mag es, sich mit einem Thema voller Inbrunst auseinanderzusetzen, zu dokumentieren und zu reflektieren. Diese Leidenschaft steckt an. Man hängt ihm förmlich an den Lippen und möchte noch so viel mehr über seine Projekte erfahren. Er vereint sein Talent für spannende Ideen mit gut recherchierten fachlichem Wissen und seiner Liebe zur Kreativität. Ingrid Hundt steht in punkto Aktivität ihrem Gatten in nichts nach: Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, sogenannte »Niemandskatzen«, also Katzen ohne Herrchen, aufzunehmen und zu pflegen. Sie berichtet stolz über ein zugelaufenes Kätzchen, um welches es zunächst sehr schlecht zu stehen schien. Dank Hundtscher Fürsorge wurde das Tier aber »so richtig aufgepäppelt«, dass es schließlich noch 16½ Jahre im Refugium der Familie lebte.

Hingebungsvoll kümmert sich Ingrid Hundt auch um Hilfsbedürftige: Sie kauft ein, hilft im Haushalt oder hört einfach nur zu. Kurzum: Bei den Hundt‘s ist immer was los! Wenn man sich die Beiden so anschaut, stellt man bewundernd fest, dass genau diese Einstellung zum Leben jung hält. Liebe Leser, das Hundtsche Areal am Frankenheimer Weg ist immer einen Ausflug wert.


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