Grün-As
Leipzig Grün-As Stadtteilmagazin

Wie weiter nach Amoklauf?

Premiere von »Koma« im Theatrium

Das Leben geht weiter, immer, aber es ist nicht mehr dasselbe, wenn man Zeuge eines Amoklaufs werden musste. Der Zustand danach gleicht einem Koma. Amok – Koma.

Im Theatrium gab es am 16. März eine Premiere zu genau diesem Thema. Stehend und mit endlosem Applaus bedankte sich das Publikum bei allen Beteiligten. Tolle Darsteller bilden eine aus Leid zusammengeschweißte Gemeinschaft, die mit Ratlosigkeit, Verzweiflung und Verlust umzugehen versucht.

Die Mädchen und Jungen treffen und trösten sich. Und sie fragen sich: Was ist geschehen und warum? Diese Fragen stellen sich auch andere, allen voran die blitzlichtgewitternden Medien sowie ein rätselhafter Typ mit Hut. Fragmentarisch wird aufgearbeitet und weitergelebt, kommt das Geschehene nach und nach heraus und Neues hinzu.

Geschlossen, immer wieder aber auch einzeln treten die Schülerinnen und Schüler vor die Menge, sie sind Gefangene des Erlebten, worauf die zugleich Schutz gewährenden und einsperrenden Gitterstäbe im Bühnenbild hinweisen.

Ein Mädchen trägt das T-Shirt der getöteten Freundin, um ihr nahe zu bleiben, ein anderes bekommt von ihrem getöteten Freund ein Kind, und ein drittes ist die Schwester des Amokläufers. Sie hat dessen Tagebuch gefunden. Doch das Tagebuch wird gestohlen, von einer, die nicht zur Leidensgemeinschaft gehört. Selbstverständlich zeigen die Medien großes Interesse! Ebenso deren Leser, Nutzer, Zuschauer. Sie wollen wissen, wie es zu der Tragödie in der Schule kommen konnte.

Alle wollen das wissen, um daraus möglichst Erkenntnisse abzuleiten, die solche Taten ein für allemal verhindern. Aber wie? Durch generelle Waffenverbote? Durch eine deutliche Minderung des allgegenwärtigen Leistungsdrucks? Durch menschlicheren Umgang miteinander? Wodurch, verdammt nochmal? Ein Theaterstück kann das nicht klären, auch nicht die Frage, ob nach Amokläufen etwas vertuscht werden soll.

Speziell in »Koma« hat es einen zweiten Täter gegeben. Die Überlebenden haben ihn gesehen – oder doch nicht? Und welches Motiv soll derjenige gehabt haben? Der Typ mit Hut, eigenen Worten zufolge ein Bettler, entpuppt sich als Undercover-Journalist. Er benennt die Widersprüche, die Ungereimtheiten, die Fragen, auf die es keine befriedigenden Antworten gibt. Eine Lehrerin bemüht sich, ihre Schülerinnen und Schüler zu beschützen, die wiederum bemühen sich, irgendwie klar zu kommen.

Das Ganze ist kein Geplänkel, das Theatrium geht aktuelle Themen und Probleme sehr ernsthaft an. Dennoch sieht es bei »Koma« mittlerweile Überarbeitungsbedarf und zeigt es frühestens im Spätsommer wieder.

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