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Leipzig Grün-As Stadtteilmagazin

Mitten im Leben

40 Jahre Ev.-Luth. Pauluskirchgemeinde Leipzig-Grünau / 35 Jahre Pauluskirche

Statt mächtiger Säulen und Pfeiler ein Zelt. Ein Zelt aus Stein. Statt geschlossener Andachtsräume viel Glas. Ja, die Pauluskirche an der Alten Salzstraße ist ein Hingucker.

Alteingesessene Grünauer sind stolz auf »ihren« Bau – Neu-Grünauer staunen: Modern und zeitlos zugleich. Was das Zelt symbolisiere? Erinnert wird an jene biblische Geschichte vom Gottesvolk, das keine bleibende Stätte auf Erden hat und umherzieht. Entwickelt wurde die Zeltidee, welche die Gemeinde auch heute noch als wanderndes Gottesvolk begreift von Rainer Ilg, Gerhard Pasch und einem Leipziger Architektenteam.

Ein wanderndes Gottesvolk in unserer Zeit? Pfarrer Matthias Möbius hilft weiter: »Wanderndes Gottesvolk meint: Als Christen und Kirchgemeinde in Bewegung bleiben. Offen sein und auf die Menschen zugehen. Deshalb wenden sich unsere Angebote an alle, die Interesse am christlichen Glauben haben. Gemeinschaft wünschen oder Hilfe in Lebenskrisen suchen.« Ein Anspruch, der nicht nur Christen in die Evangelisch- Lutherische Pauluskirchgemeinde lockt. Heute wie damals.

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Pauluskirche

Geweiht wurde das Gotteshaus im Herbst 1983. Seine Geschichte aber beginnt knapp fünf Jahre früher: Am 1. April 1978. Im Hinblick auf die missionarische Tätigkeit, und in Anlehnung auf die nur zehn Jahre zuvor gesprengte Universitätskirche St. Pauli, gab sich die Gemeinde den Namen Paulus. Naturgemäß erfolgte deren Gründung nicht an Ort und Stelle, sondern in der Taborkirche von Kleinzschocher. Zwei Jahre zuvor beschloss ein ökumenischer Koordinationsausschuss den sakralen Bau im sozialistischen Neubaugebiet.

Schon ein revolutionärer Akt. »Denn Glauben und Kirchen waren in säkularisierter Lage nicht vorgesehen, galten als Relikte einer vergangenen Zeit.« Doch es sollte anders kommen. Und das hat viel mit dem kriegsgeschädigten Berliner Dom zu tun. Eigentlich sollte der aufgegeben werden. Doch ausgerechnet die DDR-Führung bestand auf dessen Erhalt. Aus gutem Grund: Die Statik umliegender Großbauten, inklusive des Palastes der Republik, wäre durch einen Abriss gefährdet gewesen.

Ein Deal half weiter: Der Dom bleibt – zehn neue Kirchen müssen her. Darunter auch die Grünauer Pauluskirche und die benachbarte Kirche St. Martin. »Realisiert wurde dies als sogenannter Inlandexport: Hier kommt Strippenzieher Schalck-Golodkowski ins Spiel. »Die Evangelische Kirche in Deutschland (West) überwies zehn Millionen D-Mark in den Osten, den der staatliche Devisenbeschaffer einbehielt. Für zehn Millionen DDR-Mark errichteten die regionalen Bau- und Montagekombinate der DDR (BMK) dann die Kirchen. Für insgesamt zehn Kirchen eine sehr überschaubare Gesamtbausumme«, so Matthias Möbius.

Soviel das Wesentlichste zur Baugeschichte – im besten Sinne unkonventionell begann auch die Gemeindearbeit. Praktisch aus dem Nichts wurden die Neu-Grünauer für die Gemeinde geworben. Pfarrer Fritzsche hat die Menschen in ihren Wohnungen besucht und bot ganz profan seine Hilfe an. Hilfe für jene, die ihre Kirchgemeinde verließen, weil die Dörfer der Braunkohle weichen mussten. Hilfe, für die Leipziger, die lange auf eine Neubauwohnung gewartet haben. Und auch Hilfe für die sogenannten Leistungsträger der alten DDR. Denn die Gemeinde wurde auch unter Atheisten immer bekannter. Die Kirche wuchs mit dem Neubaugebiet und wurde einer der wichtigsten in ganz Sachsen. Und das ist bis heute so geblieben.

Pfarrer Matthias Möbius, der seit 1985 in der Gemeinde wirkt, geht auch heute auf Menschen zu: »Wir gehören zwar nicht zur Kirche, meinen die Leute dann oft. Aber komm’ sie nur mal rein, Herr Pfarrer. Wir möchten eine Kirche sein, die mitten im Leben steht – eine Kirche, die für alle da ist«, unterstreicht der Geistliche. »Typisch für unsere Gemeinde ist die enge Nachbarschaft zur Römisch-Katholischen St. Martinsgemeinde. Von Anfang an war kirchliche Arbeit in Grünau ökumenisch.

›Christen in Grünau‹ war und ist das Motto. Das Symbol mit den zwei Fischen am Eingang unserer beiden Kirchen und auf dem gemeinsamen Gemeindeblatt bringt in Aufnahme des urchristlichen Motivs dieses Miteinander der Gemeinden zum Ausdruck«, betont Möbius. Mitten im Leben heiße auch, sich einzumischen, mitzuwirken. »Dabei arbeiten wir eng mit Grünauer Akteuren, der Volkshochschule und dem Leipziger Kultur- und Stadtplanungsamt zusammen«, so der 60-Jährige. Rege diskutiert wurde in der Pauluskirche während der Stadtteilkonferenz.

Thema »Integriertes Stadtteilentwicklungskonzept Leipzig-Grünau 2030« (STEK). Denn Grünau wächst – nach Rückbau und Schrumpfung – wieder. Größer als manche Kleinstadt ist Grünau schon jetzt. Viel zu tun also für das Team der Pauluskirchgemeinde. Es engagiert sich beim Grünauer Kultursommer und vielen anderen Veranstaltungen im Stadtteil. An jede Altersgruppe ist gedacht: Da tanzen die Kleinsten, tanzt man in der Lebensmitte und tanzen die Senioren. Musiziert wird ebenfalls in jeder Generation. Das spricht sich herum.

Weit über die Grenzen Grünaus ist Kirchenmusikerin Elke Bestehorn und ihr Musiktheater bekannt. Immer nah dran an Kindern und Jugendlichen ist Gemeindepädagogin Fanny Lichtenberger mit ihren Angeboten. Besonders gut angenommen werde die religiöse Kinderwoche. »Beliebt ist auch der Flohmarkt. Ein Treff, der schnell zum Begegnungsort zwischen den Grünauer Eltern wurde«, so Lichtenberger.

Die Pauluskirche – ein Gemeindezentrum ohne Schwellenangst. Ein Zentrum für Gott und die Menschen. Auch im Jubiläumsjahr lädt es zu vielen unterschiedlichen Veranstaltungen. Pfarrer Möbius: »Zum Osterfest feiern wir 40 Jahre Pauluskirchgemeinde und am 27. und 28. Oktober begehen wir das 35. Kirchweihfest: Feiern Sie mit uns! Wir freuen uns auf Sie!«


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