Grün-As
Leipzig Grün-As Stadtteilmagazin

Stadt stärkt ältere Menschen

Drei Fragen an Leipzigs Seniorenbeauftragte Kerstin Motzer

Deutsche Gesundheitsexperten fordern, stärker gegen Einsamkeit vorzugehen. Damit folgen sie einem Trend. So hat die britische Premierministerin May angekündigt, einen Regierungsposten für den Kampf gegen Einsamkeit zu schaffen. Laut dem aktuellen Sozialreport von Leipzig ist jeder dritte Einwohner über 65. Ihre Zahl wird laut Prognose weiter anwachsen. Ältere Menschen sind eine Gruppe, die am meisten auf Unterstützung angewiesen ist. Was unternimmt Leipzig, damit sich ältere Menschen nicht einsam fühlen? Und: Kann die Politik überhaupt etwas gegen Vereinsamung tun? Drei Fragen an Leipzigs Seniorenbeauftragte Kerstin Motzer:

Was für Programme und Konzepte hat die Stadt Leipzig entwickelt?

Einsamkeit und Alter sind in unserer Alltagsvorstellung miteinander verknüpft. Vor allem im hohen Alter steigt die Wahrscheinlichkeit durch Verlust von Partnern, Angehörigen und Freunden einsam zu werden. Einsamkeit wird von Menschen empfunden, wenn Zahl und Qualität der sozialen Kontakte nicht mit den eigenen Wünschen in Übereinstimmung ist. Einsamkeit muss auch von den Begriffen »Alleinlebend« oder »Alleinsein« abgegrenzt werden. Nicht jeder Alleinlebende ist gleichzeitig einsam. Ob sich ältere Menschen einsam fühlen ist von vielen Faktoren abhängig. Kinderlosigkeit kann ein wichtiger Faktor für die Entstehung von Einsamkeit sein, aber auch der Verlust des Partners, mit dem man ein Leben lang zusammen war.

Darüber hinaus zeigt sich bei Seniorinnen und Senioren ein »... statistisch signifikanter Zusammenhang zwischen Einkommenssituation und Anzeichen für soziale Isolation. Denn fast jede/r dritte Senior/-in mit Isolationsanzeichen ist armutsgefährdet.« (Stadt Leipzig, Amt für Statistik und Wahlen [Älter werden in Leipzig 2016], S.14). Persönliche und soziale Fähigkeiten können Einsamkeit im Alter mildern. Wer in der Lage ist, neue soziale Kontakte zu knüpfen, fühlt sich weniger einsam. Die Knüpfung neuer sozialer Kontakte soll in Seniorenbegegnungsstätten und Seniorenbüros ermöglicht werden.

Offene und niedrigschwellige Angebote, wie beispielsweise Gesprächskreise, Spielenachmittage oder kreative Angebote, können für neue Begegnungen genutzt werden. Die Stadt Leipzig fördert Vereine und Verbände, die offene Angebote für Seniorinnen und Senioren vorhalten und unterstützt damit sogenannte »Gelegenheitsstrukturen« für Kontakte. Insofern vollzieht die Stadt die Forderungen aus dem Sozialgesetzbuch XII, wonach älteren Menschen Besuche von Veranstaltungen zu ermöglichen sind, die der Geselligkeit, Unterhaltung, Bildung und den kulturellen Bedürfnissen dienen.

Was macht der Seniorenbeirat, was leisten die Seniorenbüros?

Seniorenbüros sind zentrale Anlaufstellen für ältere Bürgerinnen und Bürger in allen Stadtbezirken. Hier erhalten Seniorinnen und Senioren umfassende Beratung und Hilfe durch Fachpersonen. Ältere Menschen können sich in Seniorenbüros informieren oder sich ehrenamtlich engagieren. Den Seniorenbüros angegliedert sind Begegnungsstätten, die zu kulturellen, geselligen oder Begegnungsangeboten einladen. Außerdem gibt es verschiedene Kurse, Veranstaltungen und Sportangebote.

Aufgabe des Seniorenbeirates ist es, den Stadtrat zu unterstützen und in Bezug auf Senioren zu beraten. Er setzt sich für die Interessen der älteren Menschen in Leipzig ein, indem er Anregungen gibt. So formulierte der Seniorenbeirat 2012 einen Antrag zur Einrichtung von Seniorenbüros. Der Seniorenbeirat wird in die Bearbeitung von Konzepten einbezogen.

Besonders liegt dem Seniorenbeirat daran, hochbetagte und hilfsbe dürftige ältere Menschen in ihrer Häuslichkeit zu unterstützten. Dafür existieren verschiedene Seniorenbesuchsdienste, Alltagsbegleiter oder Nachbarschaftshelfer. Diese Dienste ermöglichen neue Kontakte und Begegnungen für Menschen, die mobilitätseingeschränkt sind, die Wohnung nicht mehr verlassen können und sehr einsam sind. Der Soziale und pflegerische Fachdienst ist ein aufsuchender Dienst für Erwachsene und leistet Hilfe bei sozialen und wirtschaftlichen Problemlagen oder in sozialen Krisensituationen. Über das Seniorentelefon (03 41/1234616) sind weitere Infos erhältlich.

Wie kann die Stadt die Vereinsstrukturen in den Stadtteilen, speziell in Grünau, weiter stärken?

In Grünau wird das Seniorenbüro in der Stuttgarter Allee 18 gefördert. Träger ist die Arbeiterwohlfahrt, Kreisverband Leipzig-Stadt e.V. Der Verein Urban souls e.V. bietet einen Nachbarschaftstreff in der Alten Salzstraße 53 an. Diese Angebote werden der offenen Seniorenarbeit zugeordnet. Aber auch Qualitätsmanagement, Kirchgemeinden und Wohnungsgenossenschaften engagieren sich sehr stark in Grünau. Mit dem KOMM-Haus und Angeboten im Stadtteilladen werden Bildungsund Informationsveranstaltungen organisiert. Der Caritasverband betreibt ein Kinder- und Familienzentrum, welches auch Angebote für Ältere unterbreitet.

Die Sprechstunde von Kerstin Motzer ist jeden letzten Mittwoch im Monat von 10 bis 12 Uhr im Stadthaus am Burgplatz (Familienbüro).

Derzeit wird die offene Seniorenarbeit durch die Stadt evaluiert und ausgewertet, entsprechende Handlungsempfehlungen werden geprüft. Ziel ist es, ein Konzept zu erarbeiten, welches Vorschläge zur Weiterentwicklung der offenen Seniorenarbeit unterbreitet. Dabei wird ein Schwerpunkt auf der sozialräumlichen Orientierung von Angeboten offener Seniorenarbeit liegen. Das heißt, dass offene Angebote dort gestärkt werden, wo ein hoher Handlungsbedarf in Bezug auf Altersarmut oder Vereinsamung im Alter vorliegt.

»Grünau braucht Orte der nachbarschaftlichen Begegnung«, heißt es im Handlungsfeld Kultur, Freizeit, Sport des Stadtteilentwicklungskonzeptes (STEK 2030). Nachbarschaftliche Begegnungen, Austausch zwischen den Generationen oder Gespräche und Sorge um Mitmenschen im Quartier tragen dazu bei, Einsamkeit zu verhindern.

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