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Leipzig Grün-As Stadtteilmagazin

Ich liebe gute Filme!

DEFA-Filmfreund Jens Rübner im Interview

Silke Heinig unterhielt sich für uns mit Jens Rübner, der am 12. September in die Stuttgarter Allee kommen wird, um über DEFA-Filme im Allgemeinen und solche aus Leipzig im Speziellen zu sprechen.

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»Du und ich und Klein-Paris« und »Heißer Sommer« sind die Favoriten, die mir einfallen, wenn's um meine Kindheitserinnerungen geht, und natürlich »Der kleine Muck«. Aber Sie erinnern nicht nur, Sie haben da richtig System in Ihrer Sammlung...
Jens Rübner
Richtig, seit der Wende beschäftige ich mich sehr intensiv damit, denn es sind mittlerweile sogenannte »abgeschlossene Bereiche«. Die DDR und die DEFA gibt es ja nicht mehr, in den Erinnerungen, Sammlungen, Filmen, Büchern oder Stiftungen leben sie aber fort. Schon zu DDR-Zeiten schrieb ich Beiträge für die Kinozeitschrift »Filmspiegel« und begann zu sammeln, was ich kriegen konnte. Heute halte ich Vorträge, schreibe Bücher, tausche, bewahre und verkaufe Sammelobjekte, die mit DEFA-/DDR-Film im weitesten Sinne zu tun haben. Und hin und wieder rufen oder mailen mich auch schon mal Fernsehsender oder gar Musik-Produktionen an, wollen Auskünfte, Kontaktadressen oder Bildmaterial. Vieles konnte ich zum Beispiel für drei Filmmusik-CDs beisteuern, die Märchen-, Indianer- und utopische Filme vorstellen.
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Sie sammeln Autogramme, handsignierte, gezeichnete Schauspielerporträts, Filmprogramme, Set-Fotos, Fotos aus den Kinoschaukästen und und und. Kann man da mal reinstöbern?
Jens Rübner
Ja. Inzwischen habe ich über 500 handsignierte Objekte von DEFA-/DDR-Schauspielern. Im Jahr 2001 waren es noch bescheidene 326. Immerhin habe ich es damit schon ins Guinness-Buch der Rekorde geschafft. Kurz nach dem Anschluss an die BRD rief ich meine Webseite www.defa-fan.de ins Leben. Diese wurde Jahre später gehackt. Seit Oktober 2014 ist meine Leidenschaft unter www.defa-filmfreund.de zu finden. Im Jahr 1998 rief ich die 1. Leipziger Autogramm-Tauschbörse ins Leben, die leider 2002 aus finanziellen Gründen keine Fortsetzung fand. Und ich habe in den letzten Jahren einige Bücher geschrieben, die im Engelsdorfer Verlag erschienen sind. Ich belasse es also nicht beim reinen Sammeln oder Horten. Gern tauche ich tiefer in die Materie ein, wage viele Blicke hinter die Kulissen, wie man so schön sagt. Mich interessieren auch die Menschen, die neben oder hinter den Studio-Scheinwerfern mit DEFA-/DDR-Filmen zu tun hatten. Einige davon habe ich persönlich kennengelernt und spannende Gespräche mit ihnen führen können. Ich werde mit Sicherheit einige Anekdoten und ein paar meiner Unikate zur Lesung beim »Literatur Treff Grünau« mitbringen.
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Verraten Sie mir doch mal, wie es die Leipziger Kessler-Zwillinge bis nach Amerika geschafft haben. Was mache ich falsch?
Jens Rübner
Dies ist eine längere Geschichte. Alice und Ellen bestanden 1950 die Aufnahmeprüfung der Leipziger Operntanzschule. Zu dieser Zeit wohnten sie in der damaligen Bölkestraße 30 in Taucha. Ihre Karriere führte sie nur vier Jahre später ins Pariser Lido und von dort bis nach Hollywood. Klingt heute ganz einfach, aber ohne Fleiß, Beharrlichkeit und Disziplin kein Preis und keine Anerkennung. Und das nötige Quäntchen Glück muss man eben auch haben.
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Als echter Leipziger wissen Sie sicher, wo genau in unserer Stadt schon mal gedreht wurde, oder?
Jens Rübner
»Du und ich und Klein-Paris« spielt in und um Leipzig. Oper, Gohliser Schlösschen, Alte Börse am Naschmarkt sind nur einige markante Orte, an denen die Filmklappen geschlagen wurden. Heute werden auf Grund der hohen Sicherheitsstandards bei Filmproduktionen die Drehorte so gut wie möglich geheim gehalten, besonders wenn es um internationale Großproduktionen geht, wie Mitte Juli 2018, als Szenen für den Agententhriller »The Operative« mit Hollywood-Star Diane Kruger in unserer Stadt gedreht wurden. Lassen Sie mich noch nicht alles verraten. Mein Buch »Filmstadt Leipzig« führt mit vielen Geschichten, Wissenswertem und Hintergründen an Stellen, an denen Filmszenen entstanden – auch in Grünau!
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Durften Sie schon mal mit ans Set oder in ein Studio?
Jens Rübner
Ja, mehrmals. Ich mache dies ja nun schon einige Jahre, da hat man mittlerweile seine Erfahrungen, Strategien und Methoden. Und meine Komparsen-Einsätze bei der DEFA, »In aller Freundschaft« oder im »Tatort« kamen mir da zugute. Besonders gern erinnere ich mich an meinen Besuch beim »Sandmännchen«. Das war sogar für mich als erfahrenen Filmhasen ein echtes Abenteuer.
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900 Spielfilme entstanden in Babelsberg und über 3000 Animations-, Dokumentar- und Kurzfilme. Hand aufs Herz, haben Sie Favoriten?
Jens Rübner
Mehrere! Klasse finde ich beispielsweise den Puppenfilm »Kaspar und die Heinzelmännchen« und die Serien »Märkische Chronik«, »Abschied vom Frieden«, »Wege übers Land«, aber auch den frühen DEFA-Film »Die Buntkarierten«.
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