Grün-As
Leipzig Grün-As Stadtteilmagazin

Kein Platz für schlechte Laune

Saisoneröffnung am Kulkwitzer See

In diesem Jahr begann der Sommer testweise schon im April. Dementsprechend herrschte am Kulkwitzer See bereits reges Treiben – ein guter Grund, das Gewässer zu umrunden. Traditionell beginnt ein solcher Rundgang am Schiffsrestaurant, das nach vielen Namens- und Betreiberwechseln gerade wieder geschlossen hat und dadurch selbst bei schönem Wetter ein trauriges Bild abgibt. Strandkörbe, Tische, Stühlen, Bänke und sogar ein Zirkuswagen stehen auf dem Freisitz herum und warten auf den nächsten wagemutigen Gastronomen. Ideal wäre einer, der etwas länger durchhält.

Wir spazieren vom Leuchtturm in Richtung Wasserskianlage und finden ein langlebiges Lokal, den Biergarten Herzberg, der ist seit 1991 am Kulki präsent. Hier gibt es zu Bockwurst, Bier oder Kaffee Gezwitscher und Gemütlichkeit, bei Bedarf den Schatten großer Bäume und immer den Blick aufs Wasser. Letzteren bietet selbstverständlich auch die Gaststätte an der Wasserskianlage, jedoch laut originellem Aushang »keinen Platz für schlechte Laune«.

Am ehemaligen Steilufer entlang geht es parallel zur Bundesstraße 87 zu den Anglern und Seglern. Die bringen die Boote ins Wasser und ihre Wiesen auf Vordermann, Rasenmäher fahren hin und her und manche Sportfreunde wagen eine erste Ausfahrt. Die Männer und Frauen von der Seesegelgemeinschaft Leipzig wollen dabei keineswegs unter sich bleiben, heißen im Gegenteil Gäste herzlich willkommen! Und zwar auf ihren Yachten »Lipsia« und »Hanse 341«, auf denen man ganz ohne seglerische Kenntnisse anheuern kann (freie Törnplätze und -termine auf www.seesegelgemeinschaft.de). Und wer das macht, segelt dann nicht in der »Badewanne von Grünau«, sondern auf einem richtigen Meer, der Ostsee. Möglich ist das bereits im Juni.

Ebenso möglich ist die Nutzung kostenloser Sportplätze auf der Markranstädter Seite des Sees. »Spaß, Sport und gute Laune« werden angeboten und ein paar (fromme) Wünsche formuliert, unter anderem nach Sauberkeit, Ruhe und dem Verzicht auf offene Feuer.

Möchte man gern am Lagerfeuer sitzen, kann man das zum Beispiel bei David Weide und Stephan Riedel tun. Die jungen Männer führen das Ausflugsziel »Ab ans Ufer« unweit der Meri-Sauna. Hier richten Schulklassen ihre Abschlussfeiern aus, finden Pole-Dance-Workshops statt, gibt es schwimmende Grillinseln, solarbetriebene Elektromotorboote und Riesen-Stand-Up-Paddelbretter zum Ausleihen. Hier kann man sich für Festivitäten einmieten, nach Absprache ein Feuer mit Blick auf den See entzünden oder einfach nur eine Limo, ein Bier oder einen Cappuccino trinken.

Und hier spielt jeweils zur Saisoneröffnung (und zu deren Ende) eine Leipziger Band, die auf den schönen Namen »Die Kosmonauten« hört. Dieses Jahr gab es Terminschwierigkeiten, was bedeutet, dass die Saison zwar eröffnet ist, das Konzert aber noch aussteht. Wer es erleben will, schaut ab und zu auf die Facebook-Seite von »Ab ans Ufer«. Nächstes Jahr könnte es bei David Weide und Stephan Riedel sogar Sommerkino geben, das relativ steile Gelände bietet sich dafür an.

Nun führt der Rundweg durch den Wald zum urigen Kulki-Bratstübl am Göhrenz-Albersdorfer Strand. Unter den hohen Bäumen trifft man weniger Spazier- und Radfahrer, sieht kurzzeitig auch mal kein Wasser, versteht aber umso besser, warum der Kulkwitzer See und die angrenzenden Flächen Naherholungsgebiet genannt werden. Es ist wie im Urlaub! Und so nah...

Am seit 26 Jahren betriebenen Kulki-Bratstübl sind die Plätze gut belegt, läuft das Gute-Laune-Radio in Urlauberlautstärke und werden fertig zubereitete Mahlzeiten über Mikrofon und Lautsprecher ausgerufen. »Die Bockwurst bitte!«, hört man da, »Das Fischbrötchen!« oder beispielsweise »Der Kulki-Salat!« Das wirkt bodenständig und gemütlich. Wer die Toilette an der benachbarten Tauchstation nutzen möchte, sollte zwei Fünf-Cent- Stücke dabei haben – ein ungewöhnlicher Betrag. Ungewöhnlich, weil mittlerweile selten, sind auch die Klettergerüste am nahen Strand. Sie stammen aus der DDR und erinnern an die Spielzeugpistolen, mit denen man Ping-Pong-Bälle in die Luft schoss und im Anschluss daran wieder aufzufangen versuchte.

Langsam nähern wir uns dem Roten Haus, schauen aber zuvor bei der »Klinke am Seeblick« nach Neuigkeiten. Und anders als bei »Ab ans Ufer« konnten sich die Beteiligten an dieser Stelle auf einen Konzerttermin einigen. The Chili Groove Mafia gastiert am 10. Mai, ab 13 Uhr, je nach Wetter im oder vor dem Lokal, und spielt Musik von James Brown bis zu den Black Eyed Peas. Am Roten Haus kündigt das Team Watersport seinen Saisonstart für den 3. Juni an, das betrifft in erster Linie Stand-Up-Paddler. Die Gaststätte mit ihren Terrassen zum See hat natürlich schon geöffnet und die Liegestühle in Richtung Sonne gerückt.

Es folgen der eingestellte Imbiss an der Tauchstation, die Strandhütte mit freundlichen Preisen und einem heckenumstandenen Freisitz sowie der Bootsverleih, den OS Kanu übernommen hat. Die Truppe von Oliver Schulze (=OS) bringt Erfahrung mit und ist nicht nur hier, sondern auch am Markkleeberger See, am Elsterflutbett an der Pferderennbahn und darüber hinaus in Pegau an der Weißen Elster aktiv. Verliehen werden Kajaks, Kanadier, Ruder- und Tretboote. Kinder wiederum dürfte die OS-Kanu-Spielkiste interessieren...

Nächste Station: Rodelberg. Kurz vor uns müssen Romantiker das überdimensionale Bett dort oben besucht haben. Ihr Grill steht noch da, mit ihm die Überreste gar nicht so weniger Teelichter – im Dunklen sah das bestimmt hübsch aus. Jetzt nicht! Dabei ist der in den Boden gelassene Mülleimer keine zehn Meter entfernt. Überhaupt finden sich rund um den See Mülleimer und Papierkörbe, es müsste überhaupt nichts herumliegen oder -fliegen. Nur vorne am Schiff reicht an besucherstarken Tagen die Kapazität nicht. Immerhin waren da die Leute aber so ordentlich, die Überreste ihrer Naherholungsaktivitäten in Tüten neben die vollen Behälter zu stellen.

Mutige und Abgehärtete gingen am Rettungsturm ins Wasser – Ende April! Das auch hier präsente Team Watersport erinnerte Stand- Up-Paddel-Interessierte an die Saison 2017 und wir gönnten uns im Seegarten, der gleichzeitig innerhalb und außerhalb des Campingplatzes ausschenkt, einen abschließenden Espresso. Schöner Kulkwitzer See!

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