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Leipzig Grün-As Stadtteilmagazin

Innere Kündigung

Zur Stadtteilkonferenz »Zusammenleben in Grünau« von Evelin Müller

Ja, es gibt zunehmend Probleme im Zusammenleben. Überforderte Nachbarschaften. Ordnung, Sauberkeit, Sicherheit sind aktuelle Themen.

Das wird aus persönlichen Gesprächen deutlich, und es sind die eigenen tagtäglichen Erfahrungen. Aber warum sind dann bei der städtischen Veranstaltung nur wenige Bürger und gefühlt mehr »Amtspersonen« anwesend? Man erinnere sich nur an das Jahr 2012, als die »Völle« völlig überfüllt war als es um das Thema Asylbewerberheim in der Weißdornstraße ging.

Die Zeiten haben sich geändert. Bürger haben die Erfahrung gemacht, dass auf Schreiben an Ämter keine Antwort kommt, Wohnungseigentümer reagieren auf angesprochene Probleme gar nicht oder mit hilflosem Schulterzucken: Kann man rechtlich halt nix machen. Misstrauen und Nicht-Verstanden-Werden(-Wollen) breiten sich aus – trennen sogar Familien- und Freundeskreise.

Was bleibt da noch? Im Berufsleben spricht man von innerer Kündigung: Frust, Rückzug, kein Engagement über unmittelbare Eigeninteressen hinaus. Man fühlt sich alleingelassen, un- oder missverstanden. Wertschätzendes Miteinander ist schon vor Jahren in Teilbereichen in Grünau auf der Strecke geblieben.

Diese Entwicklung ist erschreckend, denn Probleme kann man lösen. Aber dazu muss man die Menschen vor Ort erreichen und mitnehmen. Jedoch erreicht man sie derzeit nicht.

An meinem Thementisch (Ordnung und Sicherheit) saßen je zwei Vertreter von Ordnungsamt, Polizei und Stadtbezirksbeirat, dazu ein Vertreter der LWB, der Moderator, ein Grünauer, der schon zum Auftakt nach dem OBM ein Statement abgegeben hatte, ich als Vereinsvertreterin – und zwei (!) Bürgerinnen. Schön, dass wir mal miteinander geredet haben.

Und nun? Segregationstendenzen zu stoppen erfordert ein Bündel von Maßnahmen – da braucht es Geld, Personal und natürlich den Willen aller Beteiligten: Ämter, Einrichtungen, Wohnungsunternehmen und den Mitbewohner, dessen Interesse nicht an der eigenen Wohnungstür endet.

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