Grün-As
Leipzig Grün-As Stadtteilmagazin

Editorial

von Klaudia Naceur

Liebe Leserinnen und Leser, für viele Menschen, so auch für mich, war das zurückliegende Jahr eines, das man am liebsten gleich wieder vergessen würde. Haken dran und in die hinterste Gehirnwindung geschoben. Wenn es doch bloß so einfach wäre. Klar: Im Kleinen mag das funktionieren – Misserfolge lassen sich bewältigen, zwischenmenschliche Beziehungen erneuern, Herausforderungen meistern, finanzielle Engpässe überstehen.

Bei verregneten Urlauben wird es schon schwieriger, aber die bleiben einem merkwürdigerweise sowieso viel präsenter als die sonnigen und sind im Nachhinein betrachtet auch nie so schlimm gewesen, wie es einem zunächst in Echtzeit erscheint.

Als sich das Jahr vor nunmehr vier Wochen endlich anschickte, sich zu verabschieden und die ersten Neujahrsgrüße auf meinem Handy landeten, so las ich des Öfteren den Satz: »Es kann ja eigentlich nur besser werden!«, welchen ich vorbehaltlos unterschreiben möchte. Obwohl: Genau genommen stimmt das nicht ganz. Aber in meiner latent positiven Grundeinstellung kann und will ich mir die Alternative lieber nicht ausmalen. 2016 – was für ein Jahr! Global politisch betrachtet, jagte eine Katastrophe die nächste. Die Welt scheint mehrheitlich aus Krisenherden zu bestehen. Kriege, Destabilisierung, Terror, kollabierende Systeme, despotische Präsidenten, Brexit, Trump und und und...

...und in Deutschland? Der Terror hat an unseren Grenzen nicht Halt gemacht. Ansbach, Würzburg, Berlin sprechen leider eine deutliche Sprache. Hinzu kommen mehrere vereitelte Anschläge. Und auch wenn nach solchen Ereignissen immer wieder trotzig behauptet wird, man lasse sich davon nicht die Lebenslust vermiesen, muss ich ehrlich gestehen: Mein Spaß ist deutlich beeinträchtigt. Das jedoch nicht nur aufgrund von drohenden Terrorangriffen, sondern auch im zunehmenden Maße durch Populismus, Hetze, Hass, Angriffe auf Flüchtlingsunterkünfte, Andersdenkende und immer wieder auch auf Politiker. Leipzig ist diesbezüglich leider keine Ausnahme – im Gegenteil. Erst kürzlich fand ein Forum statt. Mit dem Ziel, die Gewaltspirale in unserer Stadt zu durchbrechen und die tief gespaltene Gesellschaft endlich wieder in einen Dialog zu bringen. Not tut es.

2016 in Grünau: Der Stadtteil beging seinen 40. Geburtstag. Ein Grund zum Feiern. Dumm nur, dass der einjährige Veranstaltungsmarathon, der die Organisatoren sehr viel Zeit, Nerven, Geld und Engagement kostete, die Bewohner mehrheitlich nicht hinter der Zentralheizung vorlockte. Woran das gelegen haben mag, sollte noch analysiert werden. Andernfalls könnte es passieren, dass sich die Akteure resigniert zurückziehen. Das wiederum hätte zur Folge, dass die Lebensqualität merklich sinken würde. Zu einem Zeitpunkt, da es punktuell im Viertel ohnehin ordentlich rumort.

Nicht zuletzt aus diesem Grund besuchte auch unser Stadtoberhaupt zum Jahresende Grünau und wollte mit den hiesigen Bewohnern ins Gespräch kommen. Beinah vier Stunden hatte er sich dafür freigeschaufelt. Wer gehofft hatte, dass der OBM mit einfachen Lösungen um die Ecke kommt, wurde freilich enttäuscht. Aber sich die Meinung der Bürger praktisch ungefiltert ans Ohr zu lassen, ist ja schon einmal ein Anfang, der zuversichtlich stimmt, dass zumindest einige Grünauer Baustellen in diesem Jahr angegangen werden.

Neben der drängendsten Aufgabe, die problematische Situation rund um die Stuttgarter Allee und die Ringstraße, zu befrieden, haben die Ämter noch etliche Felder zu beackern: Das Stadtteilentwicklungskonzept ist noch immer nicht fertig, die Ausschreibung für das Quartiersmanagement im Verzug, das Bildungszentrum sollte eigentlich schon längst stehen und der Grünolino im Nahverkehrsplan aufgenommen sein, die Völkerfreundschaft verweilt nach wie vor im Dornröschenschlaf, das KOMM-Haus wartet auf eine Entscheidung zum Trägerwechsel und die Schulen sind noch immer in desolatem Zustand ...

Über all diese Themen und natürlich sonstige Ereignisse und Entwicklungen, werden wir Sie wie gewohnt in den kommenden Monaten informieren. Wir wünschen Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, ein gesundes, erfolgreiches und glückliches Jahr 2017.

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