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Leipzig Grün-As Stadtteilmagazin

Der Zeitungskiosk im WK 7

Jalousien, Graffiti und ein Foto

Im August stellten wir den historischen Zeitungskiosk aus dem WK 7 vor. Das Gebäude hat mindestens 30 Jahre auf den Rippen und gilt demzufolge als Oldtimer. Das beachtend möchte Kioskbetreiber Michael Barth behutsam für den Erhalt sorgen. Im Augenblick macht er sich Gedanken über die Jalousien beziehungsweise über deren Elektromotoren. »Ich bin ja technisch kein Rindvieh«, sagt der 47-Jährige, »aber da könnte ich ein paar Tipps von einem Fachmann gebrauchen.« Und wenn die Rollläden generalüberholt sind, würde er gern ein paar gutwillige Sprayer kontaktieren, damit die die Außenhaut in Kiosk-Optik neu gestalten.

Doch das ist Zukunftsmusik, der Winter ist näher. Dann kommt der Heizlüfter in den Kiosk, werden Türen und Fenster möglichst geschlossen gehalten. »Der kalte Jahreszeit ist mir lieber als die heiße«, erzählt der Grünauer, denn gegen die Kälte könne man etwas tun, unter der Hitze gerade in diesem Jahr jedoch nur leiden. Auf den Beitrag im »Grün-As« hin schauten übrigens ein paar neue Gesichter am Kiosk vorbei. Einer, so Michael Barth, habe sogar ein Foto gemacht und auf Facebook gepostet. Derjenige heißt Stefan »Preston« Klöbzig und ist Sänger und Gitarrist der Leipziger Rock-and-Roll-Band »Tom Twist«. Wir trafen ihn einige Tage später in einem Grünauer Café:

Kiosk, Karneval und keine Stimme

Stefan »Preston« Klöbzig im Interview

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Hallo Stefan, Du hast den letzten DDR-Zeitungskiosk unserer Stadt auf einem Selfie festgehalten. Wie kam es dazu?
Stefan Klöbzig
Ich bin auf dem Weg zum Kulkwitzer See vorbeigeradelt, habe das Teil aus dem Augenwinkel gesehen und gedacht, das ist ein Grund, um anzuhalten. Dann kaufte ich mir eine Cola, genoss den Charme und fragte, ob ich ein Foto machen dürfte. Dass ich fragte, fand der Besitzer richtig gut. In meiner Kindheit gab es einen ähnlichen Kiosk. Der stand im Spreewald, in Alt-Schadow am Neuendorfer See. Meine Großeltern waren dort Dauercamper und ich holte mir am Kiosk Zeitungen und Süßigkeiten.
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Als Rock-and-Roll-Musiker bist Du ja wahrscheinlich empfänglich für Zeugen aus der Vergangenheit. Immerhin ist Deine Musik auch von früher…
Stefan Klöbzig
Das stimmt. Ich bin anfällig für Musik, Mode, Design aus vergangenen Zeiten, da gliedert sich der Kiosk mit ein. Alte James-Bond-Filme zum Beispiel sehe ich gern oder alte Science- Fiction, wie »Metropolis«. Oder ich sitze im Pizzaturm vorne in Grünau, da läuft immer so ein Retromusiksender. Angefangen habe ich als Elvis-Imitator beim Eilenburger Karnevalsklub, da konnte ich schon mit 13, 14 Jahren dem Nachtleben frönen und hatte gerade in Grünau und am Kulkwitzer See, als die Eilenburger, Pegauer und Grünauer Karnevalisten gemeinsam feierten, Wahnsinnserlebnisse und Wahnsinnserfahrungen machen dürfen.
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Welche Erinnerungen hast Du außerdem an Grünau?
Stefan Klöbzig
Gerade erst war ich Motivator und Moderator für Kindersprintveranstaltungen, die vom Grünauer Unternehmen Expika veranstaltet werden. Das hat Spaß gemacht und ist wie bei der Musik: Du fährst rum, baust auf und bespaßt Leute – kleine Leute. Ich hab ja selbst drei Kinder. Und vor ein paar Jahren haben wir mit »Tom Twist« beim Schönauer Parkfest gespielt. An dem Tag war ich eigentlich krank und hatte keine Stimme. Also improvisierten wir, der damalige Schlagzeuger musste für ein paar Titel ans Mikro, auch der ehemalige Bassist sprang ein, so dass für mich zwei Lieder übrig blieben. Das kam gut an, die Leute haben gefeiert. Meine heutigen Bandkollegen Günni Günther und Kossi Kossek würden sich übrigens freuen, mit mir mal wieder zum Parkfest spielen zu dürfen.
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Wann seid Ihr denn das nächste Mal in Grünau oder auch in anderen Leipziger Stadtteilen zu erleben?
Stefan Klöbzig
In Grünau demnächst leider nicht, dafür am 30. November im nahen Böhlitz-Ehrenberg bei der »Mele Kalikimaka«-Tour, einer klassischen Rock-and-Roll-Party. Davor spielen wir am 8.11. im Bellinis im Barfußgässchen und bereits am 2. November im Veranstaltungshaus Gohlis im Möckernschen Weg 1. Mele Kalikimaka übrigens bedeutet auf Hawaii »Frohe Weihnachten«.
Grün-As
Danke, gleichfalls!
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