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Leipzig Grün-As Stadtteilmagazin

Alles Islam, oder was!?

Podiumsdiskussion zum Thema Islam und Integration

Beim Wort »Islam« schrillen bei vielen Deutschen die Alarmglocken. Nicht nur wegen der furchtbaren Attentate, die im Namen dieser Religion verübt wurden. Die Sharia (das islamische Recht) bereitet Menschen hierzulande ein gewisses Unbehagen und die Rolle der Frau verbindet man bestenfalls mit dem Kopftuch oder gleich mit Ganzkörperverschleierung.

Durch den starken Zuzug von Muslimen seit 2015, hat sich auch das Straßenbild Leipzigs merklich verändert – spürbar ist dies vor allem in Grünau, wo sich viele Zuwanderer angesiedelt haben. Grund genug, um sich mit dem Thema Islam und Integration vor Ort auseinander zu setzen. Was macht diese Religion aus und ist sie überhaupt mit den hiesigen Gepflogenheiten, mit Demokratie und Menschenrechten vereinbar?

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Meine neuen Nachbarn und ich

Die Asylkoordinationsstelle lud gemeinsam mit dem KOMM-Haus im Rahmen ihrer neuen Veranstaltungsreihe »Meine neuen Nachbarn und ich« zu einer Podiumsdiskussion ein, die sich mit genau diesen Fragen beschäftigte. Die Aufregung im Vorfeld war groß. Wer wird zur Veranstaltung kommen? Kommt überhaupt jemand? Bleibt es ruhig? Immerhin ist das Thema für einige ein echter Aufreger.

Die Anspannung löste sich jedoch recht schnell – der Saal füllte sich bis auf den letzten Platz. Einziger Wermutstropfen: Die Anwesenden waren nicht unbedingt die, die man eigentlich erreichen wollte. So kamen leider nur sehr wenige Grünauer. Zudem kaum Jemand, der wirklich über den Islam hätte aufgeklärt werden müssen. Kritische Stimmen gab es demzufolge keine.

Dennoch wurde es mit den Podiumsgästen Tayyar Kocak (Forum für interkulturellen Dialog), Mohamed Okasha (Asylkoordinator Grünau), Christoph Carmesin (Islamwissenschaftler), Shaedia Galal (Rechtsanwältin) und Grit Trepte (stellvertretende Schulleiterin der 100. Grundschule) ein interessanter Abend.

Dabei blieben die Herren in ihren Einführungsstatements zunächst recht allgemein. So erläuterten sie islamische Positionen aus wissenschaftlicher Sicht und eigener Religionszugehörigkeit, betonten immer wieder, dass das negative Bild der Muslime weltweit und insbesondere in Europa durch eine Minderheit geprägt wird, die versuchten, den Islam als Hass-Religion darzustellen und machten beispielhaft deutlich, dass viele der Probleme mit hier lebenden Muslimen nicht aufgrund des Glaubens, sondern vielmehr durch deren kulturelle Prägung zustande kommen.

Persönlicher wurde es im Gespräch mit den beiden Damen. Shaedia Galal als einzige Muslima in der Runde, hätte vielen Kritikern allein durch ihr Aussehen schon den Wind aus den Segeln genommen: Selbstbewusst und barhäuptig schilderte die in Deutschland geborene Frau mit ägyptischen Wurzeln, wie sie ihren Weg zum Islam gefunden hat, warum für sie nur diese Religion in Frage käme und wie es ihr damit in jüngerer Vergangenheit innerhalb der deutschen Gesellschaft ergeht.

Ganz praktisch und vor allem auch lokal wurde mit Grit Trepte. Sie erzählte vom Alltag an ihrer Schule – einer Einrichtung mit hohem Migrantenanteil, darunter viele Muslime. Berichtete von deren Schwierigkeiten, sich im deutschen Bildungssystem überhaupt zurecht zu finden. Da spiele der Islam an sich kaum eine Rolle. Die Familien hätten ganz andere Probleme zu bewältigen. Und sie könnte darüber locker drei Stunden erzählen.

Das hätte sicher jeder Podiumsgast gekonnt – allein die Zeit war knapp und es sollten ja auch noch Fragen des Publikums beantwortet werden. Wurden auch. Nur eine Frage blieb mehr oder weniger unbeantwortet: Die der Integration. Wer soll sich wie, worin integrieren. Was macht denn eigentlich die deutsche Gesellschaft aus? Ist es platt gesagt: Urlaub, Bier und Fußball?

Sind wir nicht eigentlich so divers, dass man sich uns gar nicht einfach anpassen kann? Geht es nicht vielmehr darum, einen Platz für sich zu finden – in einer so offenen Gesellschaft wie der deutschen, sei dies doch gar nicht so schwer. Ein junger Student bringt es letztlich doch auf den Punkt: Die Frage sei doch, wie man alle Menschen in eine demokratische, freiheitliche Gesellschaft integriert. Da gebe es auch in der deutschen Bevölkerung noch viel zu tun.

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