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Leipzig Grün-As Stadtteilmagazin

»Zäune sind allgemein keine Seltenheit«

Im Interview: UNITAS-Vorstand Steffen Foede

Anfang Februar geriet Grünau deutschlandweit in die Negativschlagzeilen. Mal wieder, muss man leider sagen. Große Tageszeitungen in Berlin und Hamburg sowie verschiedene überregionale Medien berichteten, dass sich die Stadtteilbewohner aus Angst vor Flüchtlingen mit einem Zaun abgrenzen würden und das, obwohl diese noch nicht einmal eingetroffen wären.

In der höchst sensiblen Migrationsthematik – vor allem in Sachsen – ein gefundenes Fressen. Impliziert der Zaunbau doch eine gewisse Abneigung gegenüber Flüchtlingen, vor denen man sich und sein Eigentum schützen müsste. Tatsächlich entstand kurz vor dem geplanten Bezug der neuen Gemeinschaftsunterkunft für über 300 Geflüchtete in der Weißdornstraße eine Zaunanlage, die die Innenhöfe anliegender Wohnscheiben der Wohnungsgenossenschaft UNITAS umfriedet.

Die zeitliche Nähe zur Inbetriebnahme der Asylbewerberunterkunft sowie die immer wieder vorgebrachten Einwände einiger Anwohner gegen das Heim, lassen aufhorchen. Zumal auch von einem Brief an die Genossenschaft die Rede ist, deren Verfasser Konsequenzen androhen, sollte nichts unternommen werden. Was ist also dran an den Vorwürfen, die Grünauer würden sich abschotten wollen? »Grün-As« unterhielt sich mit UNITASVorstand Steffen Foede.

Bild
Einfach nur ein Zaun
Grün-As
Die Berichterstattung der letzten Wochen war recht turbulent für Ihr Unternehmen.
Steffen Foede
In der Tat. Die Aufregung hat uns überrascht und die Berichterstattung ist aus unserer Sicht auch etwas irreführend.
Grün-As
Inwiefern irreführend?
Steffen Foede
Weil es so dargestellt wird, als hätten wir den Zaun wegen der nahen Flüchtlingsunterkunft gebaut. Das stimmt so aber nicht.
Grün-As
Warum dann?
Steffen Foede
Dafür gibt es vielerlei Gründe. Seitens unserer Mitglieder ist man bereits im Frühjahr 2015 mit der Bitte, die Möglichkeit einer Einzäunung zu prüfen, an uns herangetreten. Zu einem Zeitpunkt, da das Haus Weißdornstraße 102 (Gemeinschaftsunterkunft – Anm. der Redaktion) nachweislich nicht auf der Liste möglicher Asylunterkünfte stand. Als Gründe wurden Diebstähle, Kellereinbrüche, Vandalismus, Verschmutzung und Ruhestörung aufgeführt.
Grün-As
Seither sind aber zwei Jahre vergangen. Warum kommt der Zaun nun ausgerechnet kurz bevor die Unterkunft in Betrieb genommen werden soll?
Steffen Foede
Auch dafür gibt es plausible Gründe: Zum Einen muss eine solche Maßnahme natürlich erst einmal geprüft werden. Schließlich kostet das ja auch Geld. In diesem Fall immerhin eine fünfstellige Summe. Im Allgemeinen empfinden wir Zäune auch nicht als die beste Lösung. Mit den verschiedenen Aktiven haben wir Gespräche über die Umsetzung geführt, insbesondere wurde im Sinne einer breiten Meinungsfindung die Bitte geäußert ein Bild über die Interessenlage einzuholen, was natürlich eine gewisse Zeit in Anspruch genommen hat. Auch musste eine Abstimmung mit den weiteren Eigentümern gefunden werden, um eine Lösung für das gesamte Gebiet zu finden. Für die Koordination der Maßnahmen, Bestellung sowie Lieferung verging auch Zeit. Ja und dann hat der frühe Wintereinbruch noch für weitere Verzögerungen gesorgt.
Grün-As
Sie haben Ihre Mieter befragt. Hatten Sie das Gefühl, die geplante Asylunterkunft war bei ihnen für den Wunsch nach einer Einzäunung ausschlaggebend? Immerhin stand das ehemalige Gästehaus schon 2012 einmal als mögliche Flüchtlingsunterkunft zur Disposition.
Steffen Foede
Aber diese Pläne waren ja vom Tisch. Wie gesagt: Als man erstmals uns gegenüber den Wunsch nach einer Einfriedung der Höfe äußerte, war von der Unterkunft noch gar keine Rede.
Grün-As
Es gibt auch an anderen UNITAS-Objekten in Grünau bereits solche Zäune. Können Sie einschätzen, ob sich Sicherheit und Wohlbefinden dadurch verbessern lassen?
Steffen Foede
Zäune sind allgemein keine Seltenheit. Generell prüfen wir kritisch, welche Gründe dafür und welche dagegen sprechen. In Grünau wurden im Bereich Brambacher Straße ebenfalls Zäune gesetzt, nachdem dort ein Mitglied überfallen wurde. Zur Messbarkeit liegen keine belastbaren Zahlen vor, ein Rückgang von Kellereinbrüchen und Cliquenbildung sowie Verschmutzungen durch Hundekot ist aber seit der Errichtung deutlich zu verzeichnen.
Grün-As
Sind diese Einzäunungen ein Grünau-spezifisches Thema oder gibt es das auch in anderen Stadtteilen?
Steffen Foede
Zäune gibt es natürlich auch in anderen Stadtteilen und die Errichtung prüfen wir in jedem Einzelfall.
Grün-As
Vielen Dank für das Gespräch.
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