Grün-As
Leipzig Grün-As Stadtteilmagazin

Editorial

März

Liebe Leserinnen und Leser, haben Sie es mitbekommen? Grünau stand für ein, zwei Tage im Mittelpunkt der deutschlandweiten Berichterstattung. Und das mal zur Abwechslung mit positiven Neuigkeiten. Und warum? Nun, in seiner 40-jährigen Geschichte bekam der Stadtteil und seine Bewohner den ersten royalen Besuch.

Zwar aus Ermangelung deutscher Regenten »nur« vom niederländischen Königspaar, aber immerhin: Willem-Alexander und seine Frau Máxima brachten auf ihre ganz eigene, sympathische Art ein wenig Glanz in die Bude. Und wer, wo auch immer er wohnt, sich für derartige Besuche interessiert, weiß nun zumindest, dass es in Leipzig einen Stadtteil gibt, der Grünau heißt und größtenteils mit Plattenbauten bestückt ist.

Was in dieser Euphorie ein wenig unter ging, waren die vielen kleinen und größeren Probleme, die vor, während und nach dem doch sehr aufregenden Termin aufgeploppt sind: Da sorgte beispielsweise der Bau eines Zauns für Empörung. »Grünauer schotten sich vor Flüchtlingen ab«, so die Schlagzeile. Gemeint sind die Hofeinfriedungen im Areal der Weißdornstraße, wo eine Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber entstanden ist. Wir widmen uns diesem Thema.

Zudem beschwerte sich Linken-Stadtrat Sören Pellmann über die geplante Schließung von Sozial- und Bürgeramt, welche beide (noch) im Ratzelbogen verortet sind. Während die Stadt den Wegzug des Bürgeramtes bereits dementierte – dieses soll lediglich in das geplante Bildungszentrum ins Allee-Center verlagert werden – ist der Umzug des Sozialamtes in die Prager Straße ein echtes Ärgernis für viele Grünauer. Gibt es doch gerade hier im Stadtteil eine Menge Leute, die regelmäßige Besucher der Behörde sind.

Noch härter trifft es hiesige Sparkassenkunden. Die Bank kündigte Ende Januar an, ihr Filialnetz zu optimieren. Was nichts anderes heißt, als dass einzelne Standorte komplett geschlossen werden – in Grünau sind es stolze drei. Was das für ältere Grünauer bedeutet, kann ich mir am Beispiel meiner Schwiegermutter veranschaulichen. Sie wohnt im WK 8, ist mit über 90 Jahren nicht nur rüstig sondern auch erstaunlich selbstständig, nutzt jedoch weder Online-Banking noch Kartenzahlung. Nach dem Motto »nur Bares ist Wahres«, erledigt sie ihre Einkäufe, Frisör-, Arzt- und Apothekenbesuche natürlich mit Bargeld. Wo sie das künftig herbekommt, wenn in fußläufiger Umgebung kein Automat mehr zu finden ist? Noch gibt es vage Hoffnung, dass zumindest einer der von der drohenden Schließung betroffenen Standorte erhalten bleibt.

An brisanten Themen scheint es Grünau bereits zu Beginn des neuen Jahres nicht zu mangeln. Probleme – das ist unbestreitbar und auch durch nette Pressetermine nicht zu kaschieren – gibt es genügend. Das haben die städtischen Vertreter während des Königsbesuches im Stadtteilladen selbstkritisch und unumwunden zugegeben. Und da die Erkenntnis ja bekanntermaßen der erste Schritt zur Besserung ist, dürfen Sie liebe Leserinnen und Leser, gespannt sein, wie es weiter geht. Ich bin es jedenfalls.

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